Best­be­zahl­te Ne­ben­jobs für Stu­den­ten

- Ana­ly­se und In­ter­pre­ta­ti­on -

(Ver­öf­fent­licht: No­vem­ber 2014)

Pro­blem­stel­lung

Bei den meis­ten Stu­den­ten stel­len sich ge­ra­de zu Be­ginn des Stu­di­ums im­mer die­sel­ben Fra­gen: Wie ver­die­ne ich mein Geld für die Mie­te, wie zah­le ich die Stu­di­en­ge­büh­ren und wie kann ich Geld auf­brin­gen, um hin und wie­der abends aus zu ge­hen? Geld ist knapp, Zeit ge­nau so und der Drang, Din­ge zu er­le­ben, die auch noch mit zahl­rei­chen Aus­ga­ben ver­bun­den sind, ist ver­mut­lich nie grö­ßer als zu Stu­di­en­zei­ten. Wie al­so kann ein Stu­dent mög­lichst schnell Geld ver­die­nen und am bes­ten mit we­nig Auf­wand?

Wir ha­ben uns die Mü­he ge­macht und aus­ge­wer­tet, wel­che Job­mög­lich­kei­ten es für Stu­den­ten gibt, zu­min­dest ei­nen Bei­trag zur Stu­di­en­fi­nan­zie­rung zu leis­ten. Un­ser Ziel war es her­aus­zu­fin­den, wel­cher der best­be­zahl­te Ne­ben­job ist. Hier­bei ha­ben wir das ge­sam­te Re­per­toire an Stu­den­ten­jobs aus­ge­wer­tet, das uns zur Ver­fü­gung stand und in sinn­vol­le Jobs zu un­ter­tei­len war. Aus­ge­fal­le­ne Jobs, die nur sel­ten an­ge­fragt wer­den, ha­ben wir au­ßer Acht ge­las­sen, da sie kei­ne zu­ver­läs­si­ge Pla­nungs­mög­lich­keit für Stu­den­ten bie­ten. Wir woll­ten viel­mehr der Fra­ge nach­ge­hen, ob es Jobs gibt, auf die sich ein Stu­dent re­gel­recht spe­zia­li­sie­ren kann, um schnell sein Bud­get auf­zu­bes­sern.

Vor­ge­hens­wei­se

Wir ha­ben 27 ty­pi­sche Jobs, die Stu­den­ten an­tre­ten kön­nen, un­ter­sucht. Üb­li­cher­wei­se sind die Jobs klar von­ein­an­der ab­zu­gren­zen. Es gibt al­ler­dings ge­ra­de in Un­ter­neh­men zahl­rei­che Jobs, die be­son­ders „stu­di­en­nah“ sind. Hier sind ge­ra­de Stu­den­ten ge­fragt, die evtl. ei­ne be­stimm­te Aus­bil­dung oder ei­nen Stu­di­en­gang durch­lau­fen. Auf­grund der Viel­falt an der­ar­ti­gen Jobs und Stu­di­en­mög­lich­kei­ten ha­ben wir die­se Jobs un­ter der Ru­brik „Werk­stu­dent“ zu­sam­men­ge­fasst. Wir ha­ben dies nur dort nicht ge­macht, wo ein Job, der re­gel­mä­ßig an­ge­fragt wird, klar von den an­de­ren Werk­stu­den­ten­jobs un­ter­scheid­bar war. Ei­ne Un­ter­schei­dung lässt sich bei­spiels­wei­se bei Jobs tref­fen, bei de­nen das „Pro­gram­mie­ren“ oder z.B. „Gra­fik­de­sign“ im Vor­der­grund ste­hen.

In ei­nem ers­ten Schritt ha­ben wir den ein­fa­chen Stun­den­lohn der Jobs mit­ein­an­der ver­gli­chen. Hier­zu ha­ben wir die Ent­loh­nung von über 10.000 Auf­trä­gen, die in den letz­ten 12 Mo­na­ten bei uns ein­gin­gen, aus­ge­wer­tet.

In ei­nem zwei­ten Schritt ha­ben wir be­rück­sich­tigt, dass nicht al­lein der Stun­den­lohn über die At­trak­ti­vi­tät ei­nes Jobs ent­schei­det. Zum ei­nen muss man be­rück­sich­ti­gen, dass be­stimm­te Jobs län­ge­re Zeit „am Stück“ aus­ge­übt wer­den. Dies ist ins­be­son­de­re dann re­le­vant, wenn es ei­ne ge­wis­se An­fahrts­zeit gibt, die ein Stu­dent zu­rück­le­gen muss.

Zum an­de­ren ha­ben wir be­rück­sich­tigt, dass man­che Jobs ei­ne ge­wis­se Vor­be­rei­tungs­zeit in An­spruch neh­men, wäh­rend an­de­re viel­leicht so­fort aus­üb­bar sind.

Er­geb­nis 1: Den höchs­ten Stun­den­lohn hat der Ni­ko­laus­job

In der fol­gen­den Ab­bil­dung ha­ben wir die Stun­den­löh­ne bei den ver­schie­de­nen Stu­den­ten­jobs zu­sam­men­ge­fasst. Die Stun­de ha­ben wir da­bei auf 60 Mi­nu­ten nor­miert. Ge­ra­de bei Un­ter­richts­jobs wird ei­ne Stun­de in der Re­gel als 45 Mi­nu­ten (Schul­stun­de) an­ge­se­hen. Wäh­rend dies bei Nach­hil­fe oder Sprach­un­ter­richt al­ler­dings in der Pra­xis nicht wei­ter re­le­vant ist, da oh­ne­hin in der Re­gel 90 Mi­nu­ten un­ter­rich­tet wird, fin­det Mu­sik­un­ter­richt in der Re­gel nicht län­ger als 45 Mi­nu­ten statt. Hier muss­ten wir den Stun­den­lohn auf 60 Mi­nu­ten „hoch­rech­nen“.

Doch auch bei ei­nem an­de­ren Job muss­ten wir den Lohn bei der Um­rech­nung auf 60 Mi­nu­ten „hoch“ set­zen: Der Ni­ko­laus­job fin­det in Pri­vat­haus­hal­ten im Durch­schnitt 45 Mi­nu­ten statt. Die Über­ra­schung und Be­sche­rung der Kin­der wird üb­li­cher­wei­se mit 60 Eu­ro pro Auf­tritt ent­lohnt, an Hei­lig Abend wer­den so­gar 80 Eu­ro ge­zahlt. Un­ter dem „Ni­ko­laus­job“ ver­ste­hen wir den Auf­tritt in Pri­vat­haus­hal­ten. Ni­ko­laus­jobs auf Weih­nachts­märk­ten, Fir­men­fei­ern oder vor Kauf­häu­sern, der selbst­ver­ständ­lich auch über meh­re­re Stun­den dau­ern kann, ist bei uns – wie an­de­re Ak­tio­nen mit oder oh­ne Kos­tüm – un­ter Pro­mo­ti­on ge­fasst.

Es ist deut­lich er­sicht­lich, dass der Ni­ko­laus­job be­zo­gen auf die vol­le Stun­de der Spit­zen­rei­ter un­ter den best­be­zahl­ten Ne­ben­jobs für Stu­den­ten ist. Sein Stun­den­lohn ist mit über 80 Eu­ro mit Ab­stand deut­lich hö­her als die Ent­loh­nung des Jobs mit zweit­höchs­tem Stun­den­lohn – dem Mu­sik­un­ter­richt. Glück­li­che Kin­der­au­gen und der Über­ra­schungs­ef­fekt sind El­tern ei­nen tie­fen Griff in den Geld­beu­tel wert.

 

Bestbezahlte Nebenjobs nach Stundenlohn

 

Doch auch an­de­re Jobs sind in Be­zug auf die ein­zel­ne Stun­de gut be­zahlt. Bei­spiels­wei­se sind die Un­ter­richts­jobs mit Stun­den­löh­nen von über 15-17 Eu­ro im vor­de­ren Spek­trum zu fin­den. Ganz ge­ne­rell zeigt sich al­ler­dings, dass es in der Re­gel die Jobs mit kur­zen Ein­satz­zei­ten sind, die ei­nen ho­hen Stun­den­lohn auf­wei­sen. Die Un­ter­richts­jobs bei­spiels­wei­se wer­den pro Ein­satz le­dig­lich 90 Mi­nu­ten aus­ge­übt. Es scheint den Un­ter­richts-„Schü­lern“ ei­ni­ges Wert zu sein, ei­nen qua­li­fi­zier­ten Stu­den­ten für den Sprach­un­ter­richt oder die Nach­hil­fe zu ge­win­nen. Da­mit sich für ihn oder sie die An­fahrt lohnt, muss da­her die Be­zah­lung pro Stun­de hö­her sein.

Jobs, bei de­nen Stu­den­ten über ei­nen län­ge­ren Zeit­raum an­tre­ten, sind hin­ge­gen eher am En­de des Stun­den­lohn­spek­trums zu fin­den. So schei­nen Bü­ro­jobs, Ser­vice­kraft­jobs oder der Job als Ba­by­sit­ter deut­lich schlech­ter ent­lohnt zu wer­den.  Al­ler­dings ist der Ar­beits­um­fang bei die­sen Jobs meist län­ger als nur ei­ne Stun­de oder 90 Mi­nu­ten. Ein Bü­ro­job wird ein Stu­dent in der Re­gel über min­des­tens ei­nen hal­ben Tag aus­üben, bei ei­nem Ser­vice­job oder ei­ner Be­treu­ungs­auf­ga­be ist die Ein­satz­dau­er eben­falls deut­lich län­ger.

Dies spricht da­für, dass al­lein der Stun­den­lohn zu­min­dest kei­ne zwin­gen­de Aus­sa­ge dar­über er­laubt, ob die Ent­loh­nung für ei­nen Stu­den­ten at­trak­tiv ist. Evtl. frisst al­lei­ne die An­rei­se­zeit die hö­he­re Stun­den­ent­loh­nung auf und es lohnt trotz gu­ter Be­zah­lung nicht, ei­nen Job an­zu­tre­ten. Im Fol­gen­den wer­den da­her wei­te­re Fak­to­ren be­rück­sich­tigt, die beim Aus­üben ei­nes Jobs wich­ti­ge Ent­schei­dungs­fak­to­ren sind.

Er­geb­nis 2: Der Ni­ko­laus­job ist der loh­nends­te Job

Wir wol­len zwei wei­te­re Ele­men­te in die Ent­loh­nung der Jobs ein­be­zie­hen, die bei der Fra­ge, wann ei­ne Be­zah­lung at­trak­tiv ist, maß­geb­lich sein dürf­ten. Zum ei­nen ist dies die An­rei­se­zeit. Zum an­de­ren ist die Vor­be­rei­tungs­zeit wich­tig, die ein Stu­dent vor dem Job in­ves­tie­ren muss.

In Be­zug auf die An­rei­se­zeit kön­nen wir ei­ne re­la­tiv ein­fa­che An­nah­me tref­fen. Es ist nicht per se er­sicht­lich, war­um sich die An­rei­se­zeit bei den Jobs un­ter­schei­den soll­te. Da­her ge­hen wir da­von aus, dass ein Job z.B. in ei­nem Bü­ro prin­zi­pi­ell die glei­che An­rei­se­zeit er­for­dert wie z.B. ein Job als Um­zugs­hel­fer, Ba­by­sit­ter, Nach­hil­fe­leh­rer oder als Ser­vice­kraft. Wir ha­ben die Pen­del­zeit für die Stu­den­ten pro Stre­cke mit 45 Mi­nu­ten an­ge­setzt. Für Hin- und Rück­weg be­rück­sich­ti­gen wir al­so pau­schal 90 Mi­nu­ten pro Ein­satz.

Uns sind le­dig­lich zwei Jobs auf­ge­fal­len, bei de­nen wir hier ei­ne Aus­nah­me ge­macht ha­ben. Gär­ten sind in der Re­gel auf dem Lan­de zu fin­den, so dass wir die Pen­del­zeit pro Stre­cke auf 60 Mi­nu­ten für Gar­ten­hel­fer­jobs hoch­ge­setzt ha­ben. Dies ist ins­be­son­de­re not­wen­dig, da die län­ge­re An­rei­se­zeit nor­ma­ler­wei­se nicht durch ei­nen hö­he­ren Stun­den­lohn kom­pen­siert wird. Bei an­de­ren Jobs wird i.d.R. ein Auf­schlag auf die Ent­loh­nung ge­währt, wenn der Job sehr weit au­ßer­halb ei­ner Uni­ver­si­täts­stadt statt­fin­det (die­se Auf­schlä­ge sind be­reits in der Durch­schnitts­ent­loh­nung der Abb. 1 ent­hal­ten). Zum an­de­ren muss­ten wir bei der Tier­be­treu­ung die dop­pel­te An­rei­se­zeit be­rück­sich­ti­gen als bei an­de­ren Jobs. Tier­be­treu­ung ist häu­fig das Füt­tern ei­nes Haus­tie­res bzw. das Aus­füh­ren ei­nes Hun­des in Ur­laubs­ab­we­sen­heit der Tier­be­sit­zer. Aus die­sem Grun­de muss ein Stu­dent zwei­mal am Tag in die Woh­nung der Ur­laubs­ab­we­sen­den fah­ren, um sich um das Tier zu küm­mern.

In Be­zug auf die Vor­be­rei­tungs­zeit ha­ben wir an­ge­nom­men, dass bei den Jobs Sprach­un­ter­richt, Nach­hil­fe und Com­pu­ter­un­ter­richt ei­ne Vor­be­rei­tungs­zeit von 30 Mi­nu­ten an­fällt, die nicht se­pa­rat ent­lohnt wird. Bei Mu­sik­un­ter­richt ist dies mit 10 Mi­nu­ten et­was we­ni­ger. Dar­über hin­aus fällt auch beim Ni­ko­laus­job ei­ne ge­wis­se Vor­be­rei­tungs­zeit von ca. 45 Mi­nu­ten pro Ein­satz an. Bei­spiels­wei­se müs­sen im Vor­feld mit den El­tern In­for­ma­tio­nen über die Kin­der ein­ge­holt wer­den, für je­den neu­en Job muss die An­fahrt so­wie evtl. ei­ne Rei­se­rou­te ge­plant wer­den und auch der Kos­tüm­kauf be­nö­tigt et­was Zeit, die auf ei­ne be­grenz­te An­zahl an Ein­sät­zen im Jahr ver­teilt wer­den muss.

In Abb. 2 ist das Er­geb­nis ver­an­schau­licht. Es zeigt sich, dass der Ni­ko­laus­job auch un­ter Be­rück­sich­ti­gung von An­fahrt und Vor­be­rei­tungs­zeit die Rang­lis­te der best­be­zahl­ten Stu­den­ten­jobs an­führt.


Bestbezahlte Studentenjobs nach bereinigtem Stundenlohn

 

Um­ge­kehrt fällt auf, dass die Jobs, die in Abb. 1 noch sehr weit vor­ne ge­stan­den ha­ben, nun et­was wei­ter hin­ten auf­tau­chen. Dies be­deu­tet al­ler­dings nicht gleich­sam, dass es nicht lohnt, die­se Jobs an­zu­tre­ten. Ge­ra­de bei den kur­zen Jobs wie Nach­hil­fe oder Sprach­un­ter­richt fällt die An­fahrts­zeit stark ins Ge­wicht. Hier soll­ten Stu­den­ten eher auf ei­ne ge­rin­ge An­fahrts­zeit ach­ten. Der be­rei­nig­te Stun­den­lohn kann sich in­di­vi­du­ell dann schnell wie­der in ei­nen Be­reich er­hö­hen, der es loh­nend macht, die­se Jobs an­zu­tre­ten. Glei­ches gilt z.B. für die Tier­be­treu­ung, die laut Abb. 2 nicht mehr loh­nend er­scheint. Zum ei­nen ist na­tür­lich ge­ra­de Tier­be­treu­ung ein Job, den man ent­we­der ger­ne oder un­ger­ne aus­übt und tier­be­geis­ter­te Stu­den­ten hier nicht auf den Stun­den­lohn ach­ten. Zum an­de­ren kann sich auch hier der Job schnell loh­nen, wenn man auf ei­nen Job in un­mit­tel­ba­rer Um­ge­bung ach­tet.

Aus­blick

Der Ni­ko­laus­job ist mit Ab­stand der Spit­zen­rei­ter un­ter den best­be­zahl­ten Ne­ben­jobs für Stu­den­ten. Zu­min­dest für die männ­li­chen Stu­den­ten ist so­mit der De­zem­ber ein loh­nen­der Ar­beits­mo­nat. In we­ni­gen Ta­gen kön­nen hier zahl­rei­che Fa­mi­li­en be­sucht und sehr viel Geld ver­dient wer­den.

Doch auch bei zahl­rei­chen an­de­ren Jobs ver­die­nen Stu­den­ten schnell und gut Geld. Wann ein Job im Ein­zel­nen lohnt, ist da­bei nicht nur von der Ent­loh­nung pro Stun­de ab­hän­gig, son­dern von wei­te­ren Fak­to­ren wie An­rei­se­zeit und Vor­be­rei­tungs­auf­wand.

Un­se­re Be­trach­tung be­zieht als Kri­te­ri­um ei­nen Job an­zu­tre­ten aus­schließ­lich die Be­zah­lung ein. Ob ein Job wirk­lich at­trak­tiv oder in­ter­es­sant ist, hängt na­tür­lich von wei­te­ren Fak­to­ren ab. Er muss Spaß ma­chen und das Ar­beits­um­feld muss stim­men. Dar­über hin­aus muss der Job gut in den Stun­den­plan des Stu­den­ten pas­sen kön­nen. Hier könn­ten fle­xi­ble Jobs, wie Um­zugs­hel­fer­jobs, bei de­nen man von Tag zu Tag über ei­nen Ar­beits­ein­satz ent­schei­den kann, pro­fi­tie­ren. Doch auch dürf­ten wie­der die Ni­ko­laus­jobs gut ab­schnei­den, da die Ein­satz­ta­ge über­schau­bar und zu­dem im Vor­feld gut be­kannt sind. Hier er­gibt sich Raum für zu­künf­ti­ge Un­ter­su­chun­gen.

Pres­se­kon­takt:

Max Fi­scher
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