Frau­en­quo­te bei Stu­den­ten­jobs

(Ver­öf­fent­licht: März 2016)

Seit 2016 gilt in deut­schen Groß­kon­zer­nen ei­ne Frau­en­quo­te bei Neu­be­set­zun­gen in Auf­sichts­rä­ten. Auf dem Weg zu ho­hen Po­si­tio­nen in der Wirt­schaft scheint der Weg für Frau­en stei­nig zu sein. Wir sind ein paar Schrit­te zu­rück­ge­gan­gen und ha­ben uns un­se­rer Bran­che ent­spre­chend die Fra­ge ge­stellt, wie die Ge­schlech­ter­ver­tei­lung bei Stu­den­ten­jobs ist. Sind Nach­tei­le, de­nen sich Frau­en im Be­rufs­le­ben ge­gen­über se­hen, eben­so bei der Be­set­zung von Stu­den­ten­jobs vor­han­den?

Im Zen­trum der Un­ter­su­chung stan­den Jobs, für die üb­li­cher­wei­se Frau­en wie Män­ner glei­cher­ma­ßen in Fra­ge kom­men. Jobs, die auf­grund von phy­si­schen Ver­hält­nis­sen, z.B. Kräf­te­ver­hält­nis­sen oder Aus­se­hen, nur von Män­nern oder nur von Frau­en aus­ge­übt wer­den, ha­ben wir igno­riert. Es soll­te viel­mehr im Vor­der­grund ste­hen, ob es bei der Ein­stel­lung ei­nen wie auch im­mer ge­ar­te­ten Hang zu ei­nem Ge­schlecht gibt. Auf Sei­te der Ar­beit­ge­ber ha­ben wir eben­falls un­ter­sucht, ob das Ein­stel­lungs­ver­hält­nis da­von ab­hän­gig ist, ob die su­chen­den Ar­beit­ge­ber selbst männ­lich oder weib­lich sind.

Das Er­geb­nis ist über­ra­schend, weil es deut­lich und ein­deu­tig aus­fällt.

I. Vor­ge­hens­wei­se

Wir ha­ben 3.893 Jobs der letz­ten zwei Jah­re aus­ge­wer­tet, in de­nen es min­des­tens ei­nen Be­wer­ber gab und bei de­nen wir wuss­ten, für wen sich die Ar­beit­ge­ber ent­schie­den ha­ben. Dar­in wa­ren be­reits kei­ne Jobs mehr ent­hal­ten, die tra­di­tio­nell nur von ei­nem be­stimm­ten Ge­schlecht aus­ge­übt wer­den. Bei­spiels­wei­se ha­ben wir Jobs wie Um­zugs­hel­fer oder Bau­hel­fer igno­riert, da sie na­he­zu zu 100% von Män­nern al­lein auf­grund phy­si­scher Ge­ge­ben­hei­ten aus­ge­übt wer­den. Auch Jobs als Mes­se­host/es­sen wa­ren nicht Be­stand­teil der Un­ter­su­chung, da es na­he­zu 100% Frau­en sind.

Wir ha­ben ana­ly­siert, wie häu­fig weib­li­che Stu­den­ten im Ver­gleich zu ih­ren männ­li­chen Kol­le­gen ein­ge­stellt wur­den. Da­mit ein­deu­ti­ge Schlüs­se in Be­zug auf die Be­liebt­heit des ein oder an­de­ren Ge­schlechts je nach Job ge­zo­gen wer­den konn­ten, muss­ten wir noch ei­nen Ef­fekt her­aus­rech­nen, näm­lich die An­zahl an Be­wer­bern, de­nen sich die Ar­beit­ge­ber ge­gen­über sa­hen. Schließ­lich kann ein Job le­dig­lich Be­wer­ber von ei­nem Ge­schlecht an­zie­hen, so dass es nicht ver­wun­der­lich wä­re, wenn in die­sem Job le­dig­lich die­se Re­prä­sen­tan­ten ein­ge­stellt wür­den. Da­her ha­ben wir die An­zahl an ein­ge­stell­ten Frau­en in Re­la­ti­on zur An­zahl der weib­li­chen Be­wer­ber ge­setzt und die­se Ver­mitt­lungs­quo­te mit der Ver­mitt­lungs­quo­te bei männ­li­chen Be­wer­bern ver­gli­chen. Auf die­se Wei­se ließ sich die Ein­stel­lungs­ver­tei­lung von Frau­en und Män­nern bei ver­schie­de­nen Jobs er­rech­nen.

II. Er­geb­nis

Weib­li­che Be­wer­ber er­hal­ten bei Stu­den­ten­jobs ein­deu­tig häu­fi­ger den Zu­schlag als die männ­li­chen Kon­kur­ren­ten. Zu 62% er­hal­ten Frau­en den Zu­schlag wäh­rend die Män­ner nur zu 38 % zum Zu­ge kom­men.

Kuchendiagramm 62 Prozent weiblich, 38 Prozent männlichAbb. 1: Ver­tei­lung der Job­zu­sa­gen für Frau­en und Män­ner bei Stu­den­ten­jobs

Das Er­geb­nis ist ins­be­son­de­re über­ra­schend, da der Ef­fekt, dass man­che Jobs eher für Frau­en at­trak­tiv sein könn­ten als für Män­ner (und um­ge­kehrt), be­reits be­rück­sich­tigt ist. Tat­säch­lich be­wer­ben sich bei­spiels­wei­se für Ba­by­sit­ting-Jobs vier Mal mehr weib­li­che Stu­den­ten als männ­li­che, so dass ein­leuch­tend ist, dass auch mehr Stu­den­tin­nen ein­ge­stellt wer­den als Stu­den­ten. Ei­ne ex­ak­te Chan­cen­gleich­heit wür­de be­deu­ten, dass eben­so vier Mal mehr Frau­en den Zu­schlag er­hal­ten, tat­säch­lich al­ler­dings wer­den 12x mehr Stu­den­tin­nen ein­ge­stellt als männ­li­che Stu­den­ten. Die Ein­stel­lungs­quo­te ist so­mit drei Mal so hoch bzw. die Ein­stel­lungs­wahr­schein­lich­keit für ei­ne Frau liegt bei 75%.

Wir ha­ben die Ge­schlech­ter­ver­tei­lung für die gän­gigs­ten Stu­den­ten­jobs un­ter­sucht. Die Ver­tei­lung er­gibt sich aus der Abb. 2.

Einstellungswahscheinlichkeit für Männer und FrauenAbb. 2: Ge­schlech­ter­ver­tei­lung bei ver­schie­de­nen Stu­den­ten­jobs

Die­se Er­geb­nis­se un­ter­schei­den sich kaum in Be­zug auf die Fra­ge, ob der Ar­beit­ge­ber selbst männ­lich oder weib­lich ist. Durch­weg über al­le Jobs scheint es in Be­zug auf die Job­zu­tei­lung ei­ne über­grei­fen­de Über­ein­kunft bei Job­an­bie­tern zu ge­ben, dass Frau­en für die un­ter­such­ten Stu­den­ten­jobs bes­ser ge­eig­net sind als Män­ner.

III. In­ter­pre­ta­ti­on

Es ist auf­fal­lend, dass Be­treu­ungs­jobs wie Ba­by­sit­ting, Pfle­ge­hil­fe und Tier­be­treu­ung deut­lich über­pro­por­tio­nal mit Frau­en be­setzt wer­den. Es könn­te sein, dass auf Ar­beit­ge­ber­sei­te die Er­war­tung be­steht, dass Frau­en für die­se Jobs bes­ser ge­eig­net sein könn­ten und da­her vor­zugs­wei­se ein­ge­stellt wer­den. Eben­so könn­te man ver­mu­ten, dass weib­li­chen Stu­den­ten kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­ten­si­ve Jobs wie Pro­mo­ti­on und Ver­kauf eher zu­ge­traut wer­den als ih­ren männ­li­chen Coun­ter­parts.

Über­ra­schend al­ler­dings muss sein, dass Frau­en so­gar bei La­ger­ar­bei­ten und Bü­ro­ar­bei­ten so­wie bei Sprach-, Nach­hil­fe- und Mu­sik­un­ter­richt zum Teil deut­lich die Na­se vorn ha­ben. Auch bei Jobs, die man ver­mut­lich als Män­ner­do­mä­ne an­ge­se­hen hät­te, wie Com­pu­ter­un­ter­richt, Fahr­diens­te und IT-Jobs, lie­gen weib­li­che Stu­den­ten zu­min­dest nicht schlecht im Ren­nen. Dass sie bei Gar­ten­ar­beit im Ver­gleich zu den männ­li­chen Mit­be­wer­bern schlech­ter ab­schnei­den, dürf­te dar­an lie­gen, dass die­se Jobs mit kör­per­li­cher Be­las­tung ver­bun­den sind und Ar­beit­ge­ber dies evtl. eher männ­li­chen Be­wer­bern zu­trau­en.

Wo­her kommt al­so die Be­vor­zu­gung von Frau­en bei Stu­den­ten­jobs? Im Fol­gen­den schlüs­seln wir die Grün­de auf, die zu ei­ner Er­klä­rung bei­tra­gen kön­nen oder nicht kön­nen:

Un­ter­schied­li­che Be­zah­lung:

Da wir als Stu­den­ten­ver­mitt­lung die Be­zah­lung vor­her mit dem Ar­beit­ge­ber ver­ein­ba­ren, ist aus­ge­schlos­sen, dass ei­ne an­de­re Be­zah­lung bei weib­li­cher als bei männ­li­cher Be­set­zung ei­nes Stu­den­ten­jobs ge­ge­ben sein könn­te.

Be­wer­bungs­qua­li­tät:

Wir un­ter­stel­len im Fol­gen­den, dass weib­li­che Stu­den­ten un­ter glei­chen Be­din­gun­gen nicht per se fach­lich bes­ser ge­eig­net sind als ih­re männ­li­chen Kol­le­gen. Den­noch könn­te die Be­wer­bungs­qua­li­tät, die den Ar­beit­ge­bern die Eig­nung der Be­wer­ber si­gna­li­siert,bei männ­li­chen und weib­li­chen Be­wer­bern un­ter­schied­lich sein. Tat­säch­lich zeigt sich, dass bei Stu­den­ten­jobs der Mi­gra­ti­ons­an­teil bei männ­li­chen Be­wer­bern hö­her ist als der der weib­li­chen Be­wer­ber. Dies könn­te da­zu füh­ren, dass Be­wer­bun­gen evtl. feh­ler­haf­ter sind und die Be­wer­bungs­qua­li­tät so­mit bei Män­nern ge­rin­ger ist. Da­her ha­ben wir in ei­ner wei­te­ren Aus­wer­tung un­ter­sucht, wie die Ein­stel­lungs­quo­ten nur bei Be­trach­tung von Be­wer­bern sind, die Deutsch als Mut­ter­spra­che ha­ben. Tat­säch­lich scheint die Sprach­fä­hig­keit zu­min­dest ein Teil der Er­klä­rung zu sein.

Kuchendiagramm 56 Prozent weiblich, 44 Prozent männlichAbb. 3: Ver­tei­lung der Job­zu­sa­gen bei Stu­den­ten­jobs für Frau­en und Män­ner, die Deutsch als Mut­ter­spra­che ha­ben

Be­rück­sich­tigt man die Sprach­fä­hig­kei­ten der Be­wer­ber, zeigt sich, dass der Vor­sprung der Frau­en ge­gen­über Män­nern zu­sam­men­schmilzt. 56% ist die Wahr­schein­lich­keit, dass ei­ne Frau ei­nen Stu­den­ten­job er­hält, wäh­rend die Män­ner 44% al­ler Jobs be­kom­men. Al­ler­dings ist der Vor­sprung der Frau­en im­mer noch be­acht­lich. Grei­fen wir uns die Bü­ro­jobs (Bü­ro­hil­fen und Werk­stu­den­ten für Pro­jek­te in Un­ter­neh­men) als ei­nen Bei­spiel­job her­aus, ist die Ge­schlech­ter­ver­tei­lung üb­ri­gens auch hier wie­der iden­tisch zum Durch­schnitt al­ler Jobs: 56% al­ler Bü­ro­jobs ge­hen an weib­li­che Stu­den­ten.

IV. Fa­zit

Wir ha­ben uns in die­ser Un­ter­su­chung der Fra­ge ge­wid­met, wel­che Chan­cen Frau­en im Ver­gleich zu Män­nern bei der Ver­ga­be von Stu­den­ten­jobs ha­ben. Wir sind zu dem ein­deu­ti­gen Schluss ge­kom­men, dass Frau­en bei Stu­den­ten­jobs ge­gen­über ih­ren männ­li­chen Kom­mi­li­to­nen häu­fi­ger ein­ge­stellt wer­den.

Wir ha­ben die Un­ter­su­chung auf Jobs kon­zen­triert, die von bei­den Ge­schlech­tern glei­cher­ma­ßen aus­ge­übt wer­den kön­nen. Da­ge­gen ha­ben wir Jobs, die auf­grund von Kräf­te­ver­hält­nis­sen stets an Män­ner ver­ge­ben wer­den, wie Um­zugs­hel­fer oder Bau­hel­fer, eben­so igno­riert wie Jobs als Mes­se­hos­tes­sen, die stets an Frau­en ver­ge­ben wer­den. Das Er­geb­nis ist deut­lich, ob­wohl wir Be­wer­bungs­quo­ten, al­so die Nei­gung ei­nes be­stimm­ten Ge­schlechts, sich auf be­stimm­te Jobs eher zu be­wer­ben, be­rück­sich­tigt ha­ben. Un­ter­schie­de, die sich dar­aus er­ge­ben, dass der Ar­beit­ge­ber selbst männ­lich oder weib­lich ist, konn­ten wir eben­so aus­schlie­ßen wie Un­ter­schie­de in der Be­zah­lung. Eben­so ha­ben wir un­ter­sucht, dass sich evtl. die Be­wer­bungs­qua­li­tät auf­grund von Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grün­den un­ter­schei­det. Auch wenn wir hier ei­nen Zu­sam­men­hang ge­se­hen ha­ben, da es mehr männ­li­che Be­wer­ber mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund gibt als weib­li­che, bleibt die kla­re Ten­denz zur häu­fi­ge­ren Ein­stel­lung von Frau­en be­ste­hen.

 

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