30. Au­gust - Der Tag des Um­zugs

- Ana­ly­se und In­ter­pre­ta­tio­nen -

(Ver­öf­fent­licht:  Au­gust 2014)

Pro­blem­stel­lung

Das Um­zugs­ver­hal­ten der Men­schen ist in Deutsch­land sta­tis­tisch re­la­tiv ge­nau er­fasst. Es fin­den sich Da­ten zu Um­zugs­mo­ti­ven, zu Um­zugs­zie­len und zu der Häu­fig­keit, mit der die Men­schen in Deutsch­land um­zie­hen. Wenn man sich die un­ter­schied­lichs­ten Mo­ti­ve für Um­zü­ge an­schaut, wür­de man an­neh­men, dass die­se auf den Zeit­punkt des Um­zugs ei­gent­lich kaum Ein­fluss neh­men dürf­ten. Als häu­figs­te Um­zugs­grün­de wer­den ein be­ruf­lich be­ding­ter Orts­wech­sel, der Wunsch nach Zu­sam­men­zug mit dem Part­ner, nach ei­ner grö­ße­ren Im­mo­bi­lie, ein Stu­di­en­be­ginn oder fa­mi­liä­re Grün­de ge­nannt (vgl. http://de.sta­tis­ta.com/sta­tis­tik/da­ten/stu­die/72842/um­fra­ge/ha­eu­figs­te-gru­en­de-fu­er-um­zug/). Kei­ner die­ser Grün­de wür­de dar­auf hin­deu­ten, dass es be­son­de­re sai­so­na­le Un­ter­schie­de in der Häu­fig­keit der Um­zü­ge gibt.

Als Stu­den­ten­ver­mitt­lung ver­mit­teln wir seit 2008 zahl­rei­che Hel­fer für Um­zü­ge. Uns ist auf­ge­fal­len, dass die Ver­mitt­lungs­häu­fig­keit im Som­mer be­son­ders hoch er­scheint, wäh­rend im Win­ter die Auf­trä­ge nach Um­zugs­hel­fern ge­rin­ger sind. Mit die­ser Un­ter­su­chung woll­ten wir un­se­rem ers­ten Ein­druck nach­ge­hen und uns mit der Fra­ge be­fas­sen, zu wel­chem Zeit­punkt in Deutsch­land am liebs­ten um­ge­zo­gen wird. Tat­säch­lich lässt sich so­gar ei­ne Um­zugs­spit­ze an ei­nem be­stimm­ten Tag im Jahr aus­ma­chen. Wir wol­len die­sen Tag als „Tag des Um­zugs“ be­zeich­nen. Es soll der Tag sein, an dem die meis­ten Um­zü­ge statt­fin­den.

Wir be­gin­nen die Un­ter­su­chung mit der Art und Wei­se, wie wir zur Er­mitt­lung des „Tag des Um­zugs“ vor­ge­gan­gen sind. An­schlie­ßend wid­men wir uns der Fra­ge, war­um sich das Um­zugs­ver­hal­ten so stark nach Jah­res­zei­ten un­ter­schei­det.

Vor­ge­hens­wei­se

Das Da­ten­ma­te­ri­al, das wir her­an­zie­hen, um uns dem Tag des Um­zugs zu nä­hern, sind Da­ten, die aus un­se­rer ei­ge­nen Da­ten­bank stam­men und letzt­lich Auf­trä­ge von Kun­den über die Ver­mitt­lung von Um­zugs­hel­fern sind. Wir ha­ben 11.067 Um­zugs­auf­trä­ge aus­ge­wer­tet für Um­zü­ge, die zwi­schen dem 01.07.2011 und dem 30.06.2014 statt­ge­fun­den ha­ben.

Da wir letzt­lich Um­zugs­auf­trä­ge aus den letz­ten drei Jah­ren un­ter­sucht ha­ben, war nicht zu ge­währ­leis­ten, dass ein be­lie­bi­ger Tag im Jahr je­den Wo­chen­tag ab­de­cken konn­te. Bei­spiels­wei­se war der 30.06.2012 ein Sams­tag, der 30.06.2013 ein Sonn­tag und der 30.06.2014 ein Mon­tag. Wir ha­ben so­mit kei­ne Wer­te für den Fall, dass der 30.06. auf ei­nen Diens­tag, Mitt­woch usw. fällt. Wenn sich nun al­lein die Wo­chen­ta­ge auf die An­zahl der Um­zugs­ak­ti­vi­tä­ten aus­wir­ken, reicht es nicht aus, ein­fach nur die An­zahl der Um­zugs­auf­trä­ge an ei­nem Da­tum un­se­rer drei Jah­re zu ad­die­ren und die ver­schie­de­nen Da­ten zu ver­glei­chen. Auf die­se Wei­se könn­te man z.B. den 30.06. nicht mit dem 29.06. ver­glei­chen. Der 30.06. könn­te al­lei­ne des­we­gen be­lieb­ter sein, weil er im be­trach­te­ten Drei­jah­res­zeit­raum ei­nen Sams­tag ent­hielt, der 29.06. hin­ge­gen nicht.

Er­geb­nis 1: Der be­liebs­tes­te Um­zugs­tag ist der Sams­tag

Tat­säch­lich ist die Um­zugs­ak­ti­vi­tät an ei­nem Sams­tag be­son­ders hoch. Wie aus der fol­gen­den Ab­bil­dung er­sicht­lich, fal­len auf ei­nen Sams­tag fast 35% der Um­zü­ge der ge­sam­ten Wo­che.

Verteilung der Umzüge innerhalb einer typisierten WocheAbb. 1: Ver­tei­lung der Um­zü­ge in­ner­halb ei­ner ty­pi­sier­ten Wo­che

Hin­ge­gen ist der Sonn­tag schein­bar der un­be­lieb­tes­te Um­zugs­tag, der Wo­chen­be­ginn ist eben­so we­nig fa­vo­ri­siert. Das Phä­no­men, dass die Men­schen am liebs­ten an ei­nem Sams­tag um­zie­hen, ist über das gan­ze Jahr iden­tisch.

Doch auch, wenn wir nur ei­nen Drei­jah­res­zeit­raum be­trach­ten, las­sen sich ein­deu­ti­ge Schlüs­se auf ei­nen Tag zie­hen, an dem die Um­zugs­ak­ti­vi­tät am höchs­ten ist. Denn ge­nau so, wie be­stimm­te Wo­chen­ta­ge ei­ne Um­zugs­prä­fe­renz in ei­ner Wo­che an­deu­ten, lässt sich Jahr für Jahr be­ob­ach­ten, in wel­chem Mo­nat die Deut­schen am liebs­ten den Wohn­ort wech­seln. So­bald wir den Mo­nat iden­ti­fi­ziert ha­ben, kön­nen wir an­schlie­ßend se­hen, dass auch in­ner­halb des Mo­nats star­ke Un­ter­schie­de hin­sicht­lich der Um­zugs­ak­ti­vi­tä­ten be­ste­hen.

Er­geb­nis 2: Der be­lieb­tes­te Um­zugs­mo­nat ist der Au­gust

Die fol­gen­de Ab­bil­dung zeigt das Ver­hält­nis der Um­zugs­ak­ti­vi­tä­ten in­ner­halb ei­nes ty­pi­sier­ten Jah­res an. Sie zeigt, zu wel­chem Pro­zent­satz in un­se­rem Drei­jah­res­zeit­raum Um­zü­ge in­ner­halb ei­nes be­stimm­ten Mo­nats statt­ge­fun­den ha­ben.

Im Er­geb­nis zeigt sich, dass der Au­gust der be­lieb­tes­te Um­zugs­mo­nat ist, ge­folgt vom Sep­tem­ber und Ju­li. Ca. 11,5% al­ler Um­zü­ge fin­den im Au­gust statt, fast dop­pelt so vie­le wie im Ja­nu­ar. Im Lau­fe des Som­mers neh­men die Um­zü­ge im­mer wei­ter zu, er­rei­chen im Au­gust den Hö­he­punkt und fal­len ge­gen En­de des Jah­res wie­der ab. Al­lein in den Som­mer­mo­na­ten Ju­li bis Sep­tem­ber fin­det ein Drit­tel al­ler Um­zü­ge ei­nes Jah­res statt, die Win­ter­mo­na­te De­zem­ber bis Fe­bru­ar hin­ge­gen ver­ei­nen nicht ein­mal ein Fünf­tel der Um­zü­ge auf sich.

Verteilung der Umzüge innerhalb eines typisierten JahresAbb. 2: Ver­tei­lung der Um­zü­ge in­ner­halb ei­nes ty­pi­sier­ten Jah­res

Er­geb­nis 3: Der 30. Au­gust ist der Tag des Um­zugs

Die fol­gen­de Ta­bel­le zeigt die Ver­tei­lung der Um­zugs­ak­ti­vi­tä­ten in­ner­halb ei­nes Jah­res an. Sie zeigt, wie viel Pro­zent al­ler Um­zü­ge durch­schnitt­lich an ei­nem be­stimm­ten Tag statt­fin­den.

Verteilung der Umzüge über ein ganzes JahrAbb. 3: Ver­tei­lung der Um­zü­ge über ein gan­zes Jahr

Jetzt, wo wir den Au­gust als un­se­ren Um­zugs­mo­nat iden­ti­fi­ziert ha­ben, wä­re es leicht, ein­fach die Kon­zen­tra­ti­on auf die Spal­te „Au­gust“ zu len­ken und die höchs­te Zahl die­ser Spal­te zu wäh­len, um un­se­ren Tag des Um­zugs zu fin­den. In un­se­rem Fall wä­re dies der 31. Au­gust. 0,85 % al­ler Um­zü­ge in ei­nem Jahr fin­den in un­se­rem Be­trach­tungs­zeit­raum an die­sem Tag statt. Wie be­reits oben er­wähnt, wür­de dies al­ler­dings die Wo­chen­ver­tei­lung nicht be­rück­sich­ti­gen. Wir ha­ben be­reits ge­se­hen, dass der Sams­tag der be­lieb­tes­te Um­zugs­tag ist und der 31. Au­gust 2013 war ein sol­cher Sams­tag, der 31. Au­gust 2012 hin­ge­gen ein Frei­tag und der 31. Au­gust 2011 ein Mitt­woch. So­mit ist sehr wahr­schein­lich, dass der 31. Au­gust 2013 (Sams­tag) die Um­zugs­ak­ti­vi­tä­ten nach oben hin ver­fälscht. Wir müs­sen al­so die­sen Ef­fekt neu­tra­li­sie­ren, in­dem wir prü­fen, ob ge­ne­rell der letz­te Tag ei­nes Mo­nats die meis­ten Um­zug­s­tä­tig­kei­ten auf sich ver­eint. Über die gro­ße Zahl un­se­rer 36 be­trach­te­ten Mo­na­te soll­te es dann kei­ne Rol­le mehr spie­len, wel­cher Wo­chen­tag im Ein­zel­fall auf den letz­ten Tag ei­nes Mo­nats kommt. Wir le­gen so­zu­sa­gen ei­ne Art Fil­ter über die Wo­chen­ta­ge, um die Wo­chen­ta­ge zu „ver­ein­heit­li­chen“ und den Sams­tag-Ef­fekt aus­zu­schal­ten.

In der Spal­te rechts der Ab­bil­dung 3 ist der durch­schnitt­li­che An­teil an Um­zü­gen auf­ge­führt, der an ei­nem 1. Tag ei­nes Mo­nats, 2. Tag ei­nes Mo­nats etc statt­fin­det. Hier­bei wur­den bis auf den De­zem­ber al­le Mo­na­te ein­be­zo­gen. In der Ta­bel­le sind in rot Da­ten ge­kenn­zeich­net, die wir in der Be­trach­tung igno­riert ha­ben. Dass der De­zem­ber nicht ein­be­zo­gen wur­de, lässt sich al­lein mit Weih­nach­ten und Sil­ves­ter be­grün­den. Es ist nach­voll­zieh­bar, dass Sil­ves­ter ei­ne Aus­nah­me­er­schei­nung ist. An die­sem Tag fin­den ver­gleichs­wei­se we­ni­ge Um­zü­ge statt. Eben­so sind die Weih­nachts­ta­ge kla­re Aus­rei­ßer und es ist nicht se­ri­ös be­stimm­bar, wel­che De­zem­ber­ta­ge noch durch Sil­ves­ter und Weih­nach­ten be­ein­flusst wer­den. Bei­spiels­wei­se dürf­te am 30.12. und am 23.12. die Um­zugs­häu­fig­keit deut­lich durch die Fei­er­ta­ge und das Jah­res­en­de be­ein­flusst sein. Auch deut­lich vor Weih­nach­ten könn­ten Weih­nachts­fei­ern und –ein­käu­fe die rea­len mo­nat­li­chen Um­zug­s­tä­tig­kei­ten ver­fäl­schen, so dass wir den De­zem­ber voll­stän­dig aus­ge­klam­mert ha­ben.

Eben­so ist der 29. Fe­bru­ar nicht mit be­rück­sich­tigt, da er nur ein­mal im be­trach­te­ten Drei­jah­res­zeit­raum auf­trat und so­mit ein Drei­jah­res­durch­schnitt nicht er­mit­tel­bar war.

Im Er­geb­nis wur­den al­le 1.-28. Ta­ge ei­nes Mo­nats über 11 Mo­na­te ge­mit­telt, der 29. und 30. ei­nes Mo­nats über 10 Mo­na­te und der 31. ei­nes Mo­nats über nur 6 Mo­na­te.

Die fol­gen­de Ab­bil­dung zeigt, dass die meis­ten Um­zugs­ak­ti­vi­tä­ten ge­mit­telt über al­le be­trach­te­ten Mo­na­te am 30. ei­nes Mo­nats statt­fan­den.  0,57% al­ler Um­zü­ge in ei­nem Jahr fin­den an ei­nem durch­schnitt­li­chen 30. ei­nes Mo­nats statt und so­mit mehr als an al­len an­de­ren Ta­gen ei­nes durch­schnitt­li­chen Mo­nats.

Verteilung der Umzüge über einen MonatAbb. 4: Ver­tei­lung der Um­zü­ge über ei­nen durch­schnitt­li­chen Mo­nat. Der Pro­zent­wert auf der Or­di­na­te be­zieht sich auf den je­wei­li­gen Tag des durch­schnitt­li­chen Mo­nats in Re­la­ti­on zu ei­nem durch­schnitt­li­chen Jahr.

Da der Au­gust der häu­figs­te Um­zugs­mo­nat ist und die meis­ten Um­zü­ge durch­schnitt­lich an ei­nem 30. ei­nes Mo­nats an­fal­len, ist der 30. Au­gust der Tag des Um­zugs. Ge­ra­de im Jahr 2014 ist der 30. Au­gust in der Tat der Tag, an dem die meis­te Um­zü­ge zu­sam­men­kom­men wer­den. Schließ­lich ist der Tag ge­ra­de in die­sem Jahr eben­falls ein Sams­tag.

Er­klä­run­gen

Wir wol­len uns im Fol­gen­den nicht mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen, war­um es ge­nau der 30. Au­gust ist, an dem schein­bar die meis­ten Men­schen in Deutsch­land um­zie­hen wol­len. Der Be­ginn der Miet­ver­hält­nis­se zum Mo­nats­be­ginn dürf­te der ein­deu­ti­ge Grund sein, war­um die meis­ten Men­schen am Mo­nats­en­de um­zie­hen.

In­ter­es­san­ter ist die Fra­ge­stel­lung, war­um die Deut­schen ins­be­son­de­re im Som­mer um­zie­hen wol­len. Ver­an­schau­licht man sich die Grün­de, war­um die Men­schen ei­nen Woh­nungs­wech­sel voll­zie­hen (s. Abb. 5), fal­len kei­ne Grün­de ins Au­ge, war­um der Um­zug spe­zi­ell im Som­mer statt­fin­den soll­te. Mit Aus­nah­me des Stu­di­en­be­ginns sind kei­ne sai­so­na­len Ef­fek­te an­zu­neh­men, da ein Um­zug aus Grün­den des Ar­beits­platz­wech­sels, dem Zu­sam­men­zug mit oder die Tren­nung von dem Part­ner, der Wunsch nach ei­ner grö­ße­ren Im­mo­bi­lie etc. un­ab­hän­gig von der Jah­res­zeit sein soll­te. Und auch der Stu­di­en­be­ginn, der so­wohl im Früh­jahr (Be­ginn des Som­mer­se­mes­ters im Fe­bru­ar/März) al­so auch im Herbst (Be­ginn des Win­ter­se­mes­ters im Sep­tem­ber/Ok­to­ber) statt­fin­det, kann nicht er­klä­ren, war­um aus­ge­rech­net der Au­gust bei den Um­zugs­ak­ti­vi­tä­ten her­aus­sticht.

Umzugsgründe in DeutschlandAbb. 5. Um­zugs­grün­de; Quel­le: http://de.sta­tis­ta.com/sta­tis­tik/da­ten/stu­die/72842/um­fra­ge/ha­eu­figs­te-gru­en­de-fu­er-um­zug/

Auch die Fer­tig­stel­lung von Neu­bau­ten kann kaum als Er­klä­rung her­hal­ten, da der Som­mer die Zeit mit der höchs­ten Bau­ak­ti­vi­tät sein dürf­te, nicht die Zeit mit den meis­ten Fer­tig­stel­lun­gen von Neu­bau­ten (vgl. http://www.schoenes­zu­hau­se.de/der-fru­eh­jahrs­an­fang-die-bes­te-zeit-zum-bau­en/).

Ei­ne Er­klä­rung hin­ge­gen könn­te die Ein­schu­lung der Schul­kin­der sein. Da sich ei­ne Ein­schu­lung bzw. ein Schul­wech­sel ins­be­son­de­re mit dem Be­ginn des Schul­jah­res an­bie­tet, müss­te die häu­figs­te Um­zugs­ak­ti­vi­tät mit den Som­mer­fe­ri­en zu­sam­men fal­len.

In der bis­he­ri­gen Ana­ly­se ha­ben wir Um­zü­ge in Deutsch­land als Gan­zes er­fasst. Bei der Fra­ge, ob die Som­mer­fe­ri­en ei­ne Rol­le spie­len, bie­tet es sich an, die Ana­ly­se nach Bun­des­län­dern auf­zu­tei­len. Schließ­lich gibt es Bun­des­län­der, bei de­nen die Fe­ri­en recht spät an­fan­gen. In Bay­ern und Ba­den-Würt­tem­berg et­wa be­gin­nen die Fe­ri­en tra­di­tio­nell erst im Au­gust und en­den Mit­te Sep­tem­ber. Tat­säch­lich fällt die Zeit der größ­ten Um­zugs­ak­ti­vi­tä­ten in die Fe­ri­en­zeit. Um die Fe­ri­en­zeit in Bay­ern und Ba­den-Würt­tem­berg mit der Zeit au­ßer­halb der Fe­ri­en zu ver­glei­chen, ha­ben wir die Sum­me der Um­zü­ge in der 2. Au­gust­hälf­te (Mit­te der Som­mer­fe­ri­en) mit der Sum­me der Um­zü­ge in der 2. Sep­tem­ber­hälf­te ver­gli­chen (nach den Som­mer­fe­ri­en) .

Umzüge in Bayern und Baden-WürttembergAbb. 6: Bay­ern und Ba­den-Würt­tem­berg: An­zahl Um­zü­ge in der 2. Mo­nats­hälf­te. Die 2. Au­gust­hälf­te ist Fe­ri­en­zeit, die 2. Sep­tem­ber­hälf­te nicht.

Ist al­so die Fe­ri­en­zeit ur­säch­lich für die Um­zugs­häu­fun­gen oder ist es ein­fach Zu­fall, dass in die­sen Bun­des­län­dern zur Zeit der größ­ten Um­zugs­ak­ti­vi­tät Fe­ri­en sind?

Soll­ten all­ge­mein die Fe­ri­en ein Grund sein, wür­de sich dies in an­de­ren Bun­des­län­dern wi­der­spie­geln. In Bun­des­län­dern, in de­nen die Fe­ri­en frü­her sind, müss­ten auch die Um­zugs­ak­ti­vi­tä­ten frü­her ih­ren Spit­zen­wert er­rei­chen.

Tat­säch­lich könn­te man ei­nen der­ar­ti­gen Zu­sam­men­hang in Nie­der­sach­sen und Bre­men fest­stel­len . Wäh­rend die 2. Ju­li­hälf­te in den letz­ten 3 Jah­ren fast voll­stän­dig Fe­ri­en­zeit war, wa­ren im Sep­tem­ber nie Fe­ri­en und die An­zahl an Um­zü­gen ge­rin­ger.

Umzüge in Niedersachsen und BremenAbb. 7: Nie­der­sach­sen/Bre­men: An­zahl an Um­zü­gen in der 2. Mo­nats­hälf­te. Die 2. Ju­li­hälf­te war fast im­mer Fe­ri­en­zeit, die 2. Au­gust­hälf­te ein­mal und die 2. Sep­tem­ber­hälf­te nie Fe­ri­en­zeit.

An­de­re Bun­des­län­der hin­ge­gen kön­nen den Zu­sam­men­hang zwi­schen Um­zug­s­tä­tig­keit und Fe­ri­en nicht be­le­gen. In den Bun­des­län­dern Sach­sen, Sach­sen-An­halt und Thü­rin­gen war so­gar die fe­ri­en­freie 2. Sep­tem­ber­hälf­te die häu­figs­te Um­zugs­zeit, ge­nau­so wie in Hes­sen. In Ham­burg und Schles­wig-Hol­stein war die fe­ri­en­freie 2. Au­gust­hälf­te am be­lieb­tes­ten bei Um­zie­hen­den, ge­folgt von der fe­ri­en­frei­en Sep­tem­ber­hälf­te:

Umzüge in Hessen, Hamburg und Schleswig-HolsteinAbb. 8: Zu­sam­men­fas­sung der Bun­des­län­der Hes­sen, Ham­burg und Schles­wig-Hol­stein: An­zahl an Um­zü­gen in der 2. Mo­nats­hälf­te. Nur die 2. Ju­li­hälf­te war Fe­ri­en­zeit.

Ganz ähn­lich sieht es im be­völ­ke­rungs­reichs­ten Bun­des­land, Nord­rhein-West­fa­len, aus. Die fe­ri­en­lo­se 2. Sep­tem­ber­hälf­te weist hier die meis­ten Um­zü­ge auf, ge­folgt vom Be­ginn der Ur­laubs­zeit En­de Ju­li. Die 2. Au­gust­hälf­te, die zu­min­dest in 2 der 3 be­trach­te­ten Jah­re Fe­ri­en­zeit war, weist die ge­rings­te Ak­ti­vi­tät auf:

Umzüge in Nordrhein-WestfalenAbb. 9: Nord­rhein-West­fa­len: An­zahl Um­zü­ge in der 2. Mo­nats­hälf­te.

Auch im Bun­des­land Rhein­land-Pfalz ist kein Zu­sam­men­hang zwi­schen Fe­ri­en­zeit und Um­zug­s­tä­tig­keit aus­zu­ma­chen.

Im Er­geb­nis kön­nen wir kei­nen si­gni­fi­kan­ten Zu­sam­men­hang fest­stel­len. Die Fe­ri­en­zeit und so­mit der Zeit­punkt der Ein­schu­lung/des Schul­wech­sels scheint nicht in Re­la­ti­on zu der ho­hen som­mer­li­chen Um­zugs­ak­ti­vi­tät zu ste­hen.

Die Tat­sa­che, dass es kei­ne sinn­vol­le Er­klä­rung für das er­höh­te Ak­ti­vi­täts­ni­veau bei Um­zü­gen gibt, könn­te dar­auf hin­deu­ten, dass die Men­schen all­ge­mein im Som­mer ak­ti­ver sind als im Win­ter. Die län­ge­ren Ta­ge, die Son­nen­ein­strah­lung, mehr Be­we­gungs­mög­lich­kei­ten könn­ten Grün­de da­für sein, dass mehr Un­ter­neh­mun­gen, mehr Pla­nun­gen und auch mehr Um­zü­ge voll­zo­gen wer­den als im Win­ter.

Wir könn­ten uns ei­ner mög­li­chen Er­klä­rung auch nä­hern, in­dem wir nicht den Som­mer als die Zeit ho­her Ak­ti­vi­tät be­trach­ten, son­dern den Win­ter als ei­ne Zeit, in der die Men­schen all­ge­mein „her­un­ter­fah­ren“. Schaut man sich die Ab­bil­dung, die die Um­zugs­ver­tei­lung über das Jahr ge­se­hen wie­der­gibt, an (vgl. Abb.2), dann geht et­was un­ter, dass evtl. nicht der Som­mer ein „Hoch“, son­dern der Win­ter das „Tief“ ist (vgl. Abb. 10).

Wenige Umzüge im WinterAbb. 10. Ein­bruch der Um­zugs­ak­ti­vi­tät im Win­ter

Es ist deut­lich zu se­hen, dass der Ja­nu­ar der Mo­nat mit den ge­rings­ten Um­zugs­ak­ti­vi­tä­ten ist. Ver­mut­lich liegt der Grund hier­für we­ni­ger im Ja­nu­ar selbst als im Vor­lauf des De­zem­bers. Vor Weih­nach­ten wer­den ver­mut­lich we­ni­ger Woh­nun­gen be­sich­tigt und Um­zü­ge ge­plant, so dass in der Fol­ge im Ja­nu­ar auch we­ni­ger Woh­nun­gen be­zo­gen wer­den. Es scheint an­schlie­ßend ei­nen ge­wis­sen Nach­ho­lef­fekt zu ge­ben, der sich bis in den Som­mer hin­ein zieht. Der all­jähr­lich er­fol­gen­de leich­te Ein­bruch im Mai könn­te gleich­sam ein Os­ter­ef­fekt sein, da auch im Zu­ge der Os­ter­fe­ri­en (März/April) an­de­re Ak­ti­vi­tä­ten bei den Men­schen im Vor­der­grund ste­hen als Woh­nungs­be­sich­ti­gun­gen, so dass an­schlie­ßend auch die Um­zugs­ak­ti­vi­tä­ten ge­rin­ger sind. Es gibt im wei­te­ren Ver­lauf des Jah­res kei­ne wei­te­re Un­ter­bre­chung, so dass dem An­stieg bis zum Hoch­som­mer nichts mehr im We­ge steht.

Der Grund für den Som­mer­boom ist al­so evtl. ein­fach, dass sich das De­zem­ber­loch erst lang­sam ge­gen An­fang des Jah­res ni­vel­liert und erst stei­gen­de Woh­nungs­be­sich­ti­gun­gen An­fang des Jah­res an­schlie­ßend zu stei­gen­den Um­zugs­zah­len füh­ren. Um­ge­kehrt schei­nen sich in den Mo­na­ten Ok­to­ber und No­vem­ber hin­ge­gen die Men­schen auf das Jah­res­en­de ein­zu­stel­len. Die Um­zugs­ak­ti­vi­tä­ten neh­men folg­lich ab.

Zu­sam­men­fas­sung

Der 30. Au­gust ist der Tag des Um­zugs. Dies ist nach un­se­ren Da­ten der Tag, an dem sta­tis­tisch ge­se­hen die meis­ten Men­schen in Deutsch­land um­zie­hen. Grund­la­ge die­ses Er­geb­nis­ses wa­ren die Auf­trä­ge an Um­zugs­hel­fern, die wir ver­mit­teln. Wir ha­ben den Tag des Um­zugs in ei­ner zwei­stu­fi­gen Ana­ly­se er­mit­telt. In ei­nem ers­ten Schritt ha­ben wir den Au­gust als den Mo­nat mit den meis­ten Um­zugs­ak­ti­vi­tä­ten er­mit­telt. In ei­nem zwei­ten Schritt ha­ben wir über al­le Mo­na­te des Un­ter­su­chungs­zeit­raums ge­se­hen, dass die meis­ten Um­zü­ge auf den 30. ei­nes Mo­nats fal­len. Wir ha­ben in die­se Be­trach­tung al­le Mo­na­te ein­be­zo­gen, um den Sams­tag-Ef­fekt aus­zu­schal­ten, der auf­ge­tre­ten wä­re, wenn wir le­dig­lich die drei Au­gust-Mo­na­te des Be­trach­tungs­zeit­raums ana­ly­siert hät­ten. Da der 31. Au­gust 2013 ein Sams­tag war und der Sams­tag der be­lieb­tes­te Um­zugs­tag ist, wä­re bei aus­schließ­li­cher Be­trach­tung des Au­gust über den drei­jäh­ri­gen Be­trach­tungs­zeit­raum der 31. Au­gust als der Tag mit den meis­ten Um­zü­gen auf­ge­fal­len.

Wäh­rend das Mo­nats­en­de als her­aus­ra­gen­der Zeit­punkt für Um­zü­ge nach­voll­zieh­bar ist, hat­ten wir uns der Fra­ge ge­wid­met, was ein Grund sein könn­te, war­um die Men­schen eher im Som­mer um­zie­hen. Wir konn­ten kei­nen be­son­de­ren Zu­sam­men­hang zwi­schen den Fe­ri­en und den Um­zugs­ak­ti­vi­tä­ten aus­ma­chen. Al­ler­dings könn­te ein ge­ne­rell hö­he­res Ak­ti­vi­täts­ni­veau im Früh­jahr und Som­mer oder um­ge­kehrt das En­de des Weih­nacht­stiefs der Grund sein. Si­cher­lich ist hier ge­nü­gend Frei­raum für wei­te­re Stu­di­en, die weit in die Psy­cho­lo­gie des Men­schen hin­ein ra­gen.

 

Pres­se­kon­takt:

Max Fi­scher
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