Ab in den Norden Ab in den Norden

Köln, 22.01.2015

Die Mitte Deutschlands blutet aus

Die Deutschen zieht es in den Norden – zumindest in ihrem eigenen Land. Nach einer Untersuchung der Studentenvermittlung JOBRUF wird der Norden des Landes immer beliebter, während die Mitte Deutschlands regelrecht ausblutet. Auch im Osten und Süden Deutschlands zeichnet sich eine Trendwende ab.

Wo in ihrem Land leben die Deutschen selbst am liebsten? Dies ist Gegenstand einer Untersuchung der Studentenvermittlung JOBRUF. Die Vermittlungsagentur, die selbst Helfer für Umzüge vermittelt, hat hierzu eigene Daten sowie Daten des Statistischen Bundesamtes ausgewertet.

Betrachtet man die Trends der letzten zehn Jahre, ergibt sich laut der Studie im Ergebnis eine Zweiteilung. Während der Norden und der Osten Deutschlands stetig an Beliebtheit gewinnen, zeigt der Trend für die Mitte und den Süden Deutschlands nach unten.

Besonders dramatisch ist die Lage in den Bundesländern der Mitte Deutschlands. Setzt sich die beobachtete Entwicklung fort, verlören Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland in den nächsten zehn Jahren mehr als die Einwohnerzahl einer mittleren Großstadt.

Nach Ansicht der Autoren der Studie spielt es dabei keine Rolle, dass diese Bundesländer absolut gesehen noch vor wenigen Jahren einen deutlichen Zuzugsüberschuss aufwiesen. „Jede Umzugsentscheidung wird individuell getroffen ohne Rücksicht auf die Entscheidung anderer. Im Zeitverlauf gibt es immer weniger Umzugsentscheidungen Richtung Mitte und Süden Deutschlands“, erklärt Lutz Hafkemeyer, Geschäftsführer der Agentur. Für eine Beurteilung der zukünftigen Entwicklung sei somit lediglich der Trend entscheidend.

In der Studie werden lediglich Binnenwanderungen betrachtet. „Tatsächlich wird die Entwicklung in der öffentlichen Wahrnehmung wahrscheinlich dadurch unterschätzt, dass in die Umzugsbewegungen häufig das Ausland mit einbezogen wird“, so Hafkemeyer. Unter Einbeziehung von Zuzügen aus dem oder Wegzügen in das Ausland würde sich für die mittleren und süddeutschen Bundesländer eine ganz andere Situation ergeben.

Erklärungsansätze

Die Studie geht ebenfalls der Frage nach, was die Inländer in den Norden Deutschlands treibt. Die Autoren vermuten im Wesentlichen, dass der Freizeitwert dahinter steckt. Die Menschen könnten sich in Zeiten guter wirtschaftlicher Entwicklung immer mehr leisten, Standortfragen in die Arbeitsplatzentscheidung einfließen zu lassen.

Dies würde für Arbeitnehmer und Selbständige gleichermaßen gelten. Insbesondere Selbständige seien ohnehin durch die technische Entwicklung frei in der Wahl des Arbeitsortes. Immer mehr Firmen fänden ihre Kunden über das Internet und ein Arbeitsplatz benötige häufig wenig mehr als Laptop und Internetanschluss.

Um dem Ausbluten entgegenzuwirken, könnten die Bundesländer, die von Wegzügen bedroht sind, verstärkt um Zuzüge aus dem Ausland werben. Einen Wettbewerb um inländische Einwohner könnten die Bundesländer nur verlieren, so die Studie. Jede Aktion, Einwohner zu gewinnen, würde für jedes Bundesland gleichermaßen gelten, so dass wieder der geografische Vorteil für attraktive Regionen übrig bliebe.

Weitere Informationen sowie die ausführliche Studie finden Sie unter
https://www.jobruf.de/presse/studien/ab_in_den_norden.html

Über JOBRUF

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