Aus­lands­stu­di­um fi­nan­zie­ren

Auslandsstudium finanzierenWer das Aus­lands­stu­di­um fi­nan­zie­ren möch­te, soll­te im Vor­feld gut pla­nen. In Deutsch­land gibt es viel­fäl­ti­ge För­de­run­gen von staat­li­cher und pri­va­ter Sei­te. Oft kön­nen hier­bei un­ter­schied­li­che Zu­schüs­se mit­ein­an­der kom­bi­niert wer­den, so­dass man letzt­end­lich ei­nen be­trächt­li­chen Teil der mo­nat­li­chen Auf­wen­dun­gen wäh­rend des Aus­lands­auf­ent­hal­tes ab­de­cken kann.

Im Fol­gen­den zei­gen wir, wel­che Mög­lich­kei­ten es gibt, den Auf­ent­halt fi­nan­zi­ell ab­zu­si­chern. Da­bei kon­zen­trie­ren wir uns vor al­lem auf die Fra­ge, wie ein vor­über­ge­hen­des Aus­lands­se­mes­ter zu fi­nan­zie­ren ist. Ei­ne För­de­rung des kom­plet­ten Aus­lands­stu­di­ums ist – wie wir im Lau­fe des Tex­tes auch noch er­klä­ren wer­den – le­dig­lich mit Aus­lands-Bafög mög­lich.

Schnell­na­vi­ga­ti­on

Sti­pen­di­en (Mög­lich­keit 1)

Aus­lands-Bafög (Mög­lich­keit 2)

Bil­dungs­kre­dit und Stu­di­en­kre­dit (Mög­lich­keit 3)

Aus­lands­se­mes­ter ver­län­gern durch Frei­wil­li­gen­ar­beit

Zu­sam­men­fas­sung

Mög­lich­keit 1: Sti­pen­di­en – At­trak­ti­ve För­de­rung des Aus­lands­stu­di­ums oh­ne Rück­zah­lung

Ei­ne ers­te at­trak­ti­ve Mög­lich­keit der Fi­nan­zie­rung des Aus­lands­stu­di­ums sind Sti­pen­di­en. Hier­bei stellt ei­ne staat­li­che oder pri­va­te In­sti­tu­ti­on für ei­ne be­grenz­te Zeit rück­zah­lungs­be­frei­te Gel­der zur Ver­fü­gung. Dem­ent­spre­chend be­gehrt sind die Sti­pen­di­en­plät­ze, was ei­ne di­rek­te Be­wer­bung beim Sti­pen­di­en­ge­ber un­um­geh­bar macht. Hier­bei kön­nen un­se­re Be­wer­bungs­tipps für Stu­den­ten hel­fen.

Oft­mals sind an die Ver­ga­be des Sti­pen­di­ums ei­ni­ge Be­din­gun­gen ge­knüpft. Meist han­delt es sich hier­bei um be­stimm­te Stu­di­en­gän­ge, die man stu­die­ren muss, um die För­de­rung für das Aus­lands­se­mes­ter zu er­hal­ten, oder ei­ne in­halt­li­che Iden­ti­fi­ka­ti­on mit den Zie­len der In­sti­tu­ti­on. Die Ver­ga­be­kri­te­ri­en und Be­wer­bungs­an­for­de­run­gen sind al­ler­dings so un­ter­schied­lich, dass man sich am bes­ten di­rekt bei den je­wei­li­gen Ver­ga­be­stel­len über al­le An­for­de­run­gen in­for­miert.

Dies sind die gän­gigs­ten Pro­gram­me:

ERAS­MUS+ – Das Sti­pen­di­en­pro­gramm der Eu­ro­päi­schen Uni­on

Eras­mus+ ist das Stu­di­en­för­der­pro­gramm der Eu­ro­päi­schen Uni­on. Als ei­nes der größ­ten Sti­pen­di­en­pro­gram­me für Aus­lands­stu­di­en ist das ERAS­MUS+ vor al­lem in eu­ro­päi­schen Län­dern ei­ne der be­lieb­te­ren Fi­nan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten für das Aus­lands­se­mes­ter. Al­le Uni­ver­si­tä­ten, die sich am ERAS­MUS+ Pro­gramm be­tei­li­gen, ha­ben Part­ner­uni­ver­si­tä­ten in ver­schie­de­nen Län­dern. So­mit be­schränkt sich die Wahl des Stu­di­en­or­tes in al­ler Re­gel auf die Hei­mat­städ­te die­ser Part­ner­uni­ver­si­tä­ten.

Finanzierung des Auslandssemesters mit Erasmus+ERAS­MUS+ bie­tet den gro­ßen Vor­teil, dass die im Aus­land er­brach­ten Stu­di­en­leis­tun­gen nach der Rück­kehr nach Deutsch­land teil­wei­se oder kom­plett auf das Stu­di­um an­ge­rech­net wer­den kön­nen. Ne­ben den klas­si­schen Aus­lands­stu­di­en wer­den auch Prak­ti­ka, Lehr­auf­ent­hal­te und Aus­lands­fort­bil­dun­gen ge­för­dert. Ei­ne in­halt­li­che Ver­bin­dung der Prak­ti­ka zum Stu­di­en­gang ist aber meist ob­li­ga­to­risch.

Ne­ben dem Er­lass der Stu­di­en­ge­büh­ren im Aus­land wer­den mo­nat­lich et­wa 325 € ge­zahlt (Stand 2018). Die Ge­samt­för­der­sum­me wird in zwei Ra­ten über­wie­sen. Die Min­dest­auf­ent­halts­dau­er im Aus­land be­trägt 3 Mo­na­te (Stand 2018). Ma­xi­mal wer­den 12 Mo­na­te ge­währt, in wel­chen die Mög­lich­keit be­steht, durch die­ses Sti­pen­di­um das Aus­lands­stu­di­um zu fi­nan­zie­ren.

Ge­naue­re In­for­ma­tio­nen zur Be­wer­bung gibt es auf der Home­page des DA­AD.

DA­AD für die För­de­rung des Aus­lands­se­mes­ters welt­weit

Der Deut­sche Aka­de­mi­sche Aus­tausch­dienst (kurz: DA­AD) ver­gibt eben­falls in­ter­es­san­te Sti­pen­di­en an Stu­die­ren­de, die da­bei hel­fen, das Aus­lands­se­mes­ter zu fi­nan­zie­ren. Bei der Wahl des Stu­di­en­or­tes ist man hier frei­er, da der DA­AD welt­weit Pro­gram­me an­bie­tet. Al­ler­dings sind die meis­ten Sti­pen­di­en an strik­te Auf­la­gen ge­knüpft (u.a. nur für be­stimm­te Stu­di­en­gän­ge, For­schungs­schwer­punk­te, Dau­er des Aus­lands­ein­sat­zes ex­akt vor­ge­ge­ben).

Auf der In­ter­net­sei­te des DA­AD kann man die ver­schie­de­nen Sti­pen­di­en­an­ge­bo­te nach un­ter­schied­li­chen Kri­te­ri­en wie Ein­satz­ort, Art des Sti­pen­di­ums (für Stu­den­ten, Dok­to­ran­den, For­scher etc.) oder Dau­er sor­tie­ren. Die Hö­he der För­de­rung für das Aus­lands­stu­di­um ist bei je­dem Sti­pen­di­um un­ter­schied­lich, liegt aber meist zwi­schen 300 € und 800 € mo­nat­lich. Zu be­ach­ten gilt, dass ein DA­AD-Sti­pen­di­um und ei­ne För­de­rung mit ERAS­MUS+ nicht kom­bi­nier­bar ist, da der DA­AD als Dach­ver­band auch das ERAS­MUS-Pro­gramm be­treut.

Ei­ne ge­naue Über­sicht gibt die Sti­pen­di­en­ra­ten­lis­te des DA­AD.

Be­gab­ten­för­de­rungs­wer­ke – Aus­lands­stu­di­um fi­nan­zie­ren mit pri­va­ten Sti­pen­di­en

Wei­te­re An­sprech­part­ner für die Ver­ga­be von Aus­lands­sti­pen­di­en sind die 13 Be­gab­ten­för­de­rungs­wer­ke, die sich un­ter dem Dach des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil­dung und For­schung ver­eint ha­ben, um Stu­die­ren­de und jun­ge For­schen­de mit be­son­de­ren Ta­len­ten zu un­ter­stüt­zen.

Auslandsstudium finanzieren durch StipendienUm ei­nes die­ser Sti­pen­di­en zu er­hal­ten, muss man ent­we­der Bür­ger ei­nes EU-Mit­glieds­staa­tes sein oder ei­nen gül­ti­gen Auf­ent­halts­ti­tel für Deutsch­land be­sit­zen (sie­he hier­zu auch die Richt­li­ni­en für die Ge­wäh­rung von Bafög für Stu­den­ten). Da die Be­gab­ten­för­de­rungs­wer­ke meist pri­va­te Ver­ei­ne oder Stif­tun­gen mit be­stimm­tem po­li­ti­schem oder re­li­giö­sem Hin­ter­grund sind, soll­te man sich als In­ter­es­sent auch mit den Zie­len der Stif­tung iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. So ver­gibt bei­spiels­wei­se das Ernst Lud­wig Ehr­lich Stu­di­en­werk zur Fi­nan­zie­rung des Aus­lands­se­mes­ters nur Sti­pen­di­en an jü­di­sche be­gab­te Per­so­nen oder für For­schungs­ar­bei­ten, die eng mit der jü­di­schen Ge­mein­schaft ver­bun­den sind.

Die För­de­rungs­hö­he steht in Ver­bin­dung mit den Be­rech­nungs­ta­bel­len des Bafög und ist zum Teil auch ab­hän­gig vom Ein­kom­men der El­tern. Das Grund­sti­pen­di­um kann hier­bei bis zu 735 € mo­nat­lich be­tra­gen (Stand 2018). Zu­sätz­lich kann ei­ne ein­kom­mens­un­ab­hän­gi­ge Stu­di­en­kos­ten­pau­scha­le in Hö­he von 300 € mo­nat­lich ge­zahlt wer­den.

Die Home­page der Be­gab­ten­för­de­rungs­wer­ke der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in­for­miert über die ge­nau­en Be­stim­mun­gen für die Be­wer­bung.

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Mög­lich­keit 2: Aus­lands-Bafög – Staat­li­che Un­ter­stüt­zung mit re­du­zier­ter Rück­zah­lung

Die Fi­nan­zie­rung des Aus­lands­stu­di­ums ist auch mit Bafög-Un­ter­stüt­zung mög­lich. Da­bei ist ei­ne mög­li­che För­de­rung nicht ab­hän­gig vom Bafög-Be­zug in Deutsch­land. Auch wer kein Bafög hier­zu­lan­de er­hält, kann – be­dingt durch die hö­he­ren Auf­wen­dun­gen im Aus­land – ei­nen An­spruch auf Aus­lands-Bafög ha­ben! Die be­zo­ge­nen Leis­tun­gen müs­sen nur zur Hälf­te zu­rück­ge­zahlt wer­den.

För­der­bar sind Hoch­schul- oder Fach­schul­stu­di­en in­ner­halb der Eu­ro­päi­schen Uni­on und in der Schweiz. Die För­de­rung ei­nes Aus­lands­se­mes­ters au­ßer­halb der EU ist nur dann mög­lich, wenn ein Teil der im Aus­land er­brach­ten Stu­di­en­leis­tun­gen auf das Stu­di­um in Deutsch­land an­ge­rech­net wird. Zu­dem muss der Aus­lands­auf­ent­halt min­des­tens 6 Mo­na­te an­dau­ern. Aus­rei­chen­de Kennt­nis­se in der Lan­des­spra­che und Un­ter­richts­spra­che sind ob­li­ga­to­risch. Ne­ben der re­gu­lä­ren Aus­lands-Bafög-Ra­te kön­nen wei­te­re Zu­schlä­ge zum Be­darf be­zahlt wer­den (bei­spiels­wei­se für Stu­di­en­ge­büh­ren, Rei­se­kos­ten, hö­he­re Le­bens­hal­tungs­kos­ten oder hö­he­re Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge).

Die Zu­stän­dig­keit für die Be­an­tra­gung der Aus­lands­för­de­rung va­ri­iert je nach Ziel­land. Wich­tig ist ei­ne früh­zei­ti­ge An­trags­stel­lung (min­des­tens 6 Mo­na­te vor An­tritt des Aus­lands­se­mes­ters!).

Ei­ne Über­sicht der Zu­stän­di­gen Stel­len gibt es auf der Home­page des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil­dung und For­schung.

Un­ser Tipp:
Die Un­ter­stüt­zung durch Bafög ist auch für Stu­den­ten mög­lich, die ihr kom­plet­tes Aus­lands­stu­di­um fi­nan­zie­ren möch­ten, z.B. ei­nen Mas­ter. Vor­aus­set­zung ist, dass der an­vi­sier­te Stu­di­en­gang in Deutsch­land an­er­kannt oder zu­min­dest gleich­wer­tig ist.

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Mög­lich­keit 3: Bil­dungs­kre­dit und Stu­di­en­kre­di­te – Aus­lands­se­mes­ter pri­vat fi­nan­zie­ren

Ne­ben den voll­stän­dig und teil­wei­se rück­zah­lungs­be­frei­ten An­ge­bo­ten gibt es klas­si­sche Ra­ten­kre­di­te spe­zi­ell für Stu­den­ten mit at­trak­ti­ven Zins­sät­zen. Das Amt für Aus­bil­dung ver­mit­telt bei­spiels­wei­se den Bil­dungs­kre­dit zu sehr güns­ti­gen Kon­di­tio­nen.

Bil­dungs­kre­dit für Stu­den­ten in der End­pha­se des Stu­di­ums

Spe­zi­ell für Stu­den­ten in der End­pha­se Ih­res Stu­di­ums gibt es zu­sätz­lich die Mög­lich­keit, ei­nen Bil­dungs­kre­dit zu be­an­tra­gen. Das Bun­des­ver­wal­tungs­amt ver­leiht hier­bei ma­xi­mal 7.200 € zu ei­nem ef­fek­ti­ven Jah­res­zins von 0,72 % (Stand 2018). Vor­teil ist hier­bei, dass der Kre­dit un­ab­hän­gig vom Ein­kom­men der El­tern ge­währt wird.

Hö­he des Kre­dit­vo­lu­mens und mo­nat­li­che Ra­ten sind fle­xi­bel ge­stalt­bar. Be­din­gung ist hier­bei le­dig­lich, dass man sich in den letz­ten 24 Mo­na­ten sei­nes Stu­di­ums be­fin­den muss. Ei­ne För­de­rung ei­nes Aus­lands­auf­ent­hal­tes zum Stu­di­en­be­ginn ist al­so aus­ge­schlos­sen.Tastatur eines Taschenrechners

Pri­va­te Stu­di­en­kre­di­te der Ban­ken und Spar­kas­sen

Möch­te man ei­ne För­de­rung be­reits frü­her er­hal­ten, lohnt sich even­tu­ell die Auf­nah­me ei­nes Stu­di­en­kre­dits bei pri­va­ten Geld­in­sti­tu­ten. Hier gel­ten für die Fi­nan­zie­rung des Aus­lands­se­mes­ters im Ver­gleich zu ei­nem klas­si­schen Kre­dit für Be­rufs­tä­ti­ge und Per­so­nen mit fes­tem Ein­kom­men we­ni­ger Auf­la­gen hin­sicht­lich der Bo­ni­tät.

Al­ler­dings sind die Zins­sät­ze meist um ein Viel­fa­ches hö­her als die der staat­li­chen An­ge­bo­te wie Bafög und Bil­dungs­kre­dit. Ge­ra­de, wenn al­le an­de­ren ge­nann­ten För­de­rungs­ar­ten nicht in Fra­ge kom­men, kann sich ein sol­cher pri­va­ter Kre­dit den­noch loh­nen, um das Stu­di­um im Aus­land zu fi­nan­zie­ren.

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Durch Frei­wil­li­gen­ar­beit das Aus­lands­se­mes­ter ver­län­gern

Ist das Fi­nan­zi­el­le ge­si­chert, steht ei­ner in­ter­es­san­ten Zeit mit vie­len neu­en Ein­drü­cken und Er­leb­nis­sen nichts mehr im We­ge. Aber nicht nur zum Stu­die­ren und Fei­ern bie­tet sich ein Aus­lands­auf­ent­halt an. Wer sich so­zi­al en­ga­gie­ren möch­te, kann die Zeit in der Frem­de durch Frei­wil­li­gen­ar­beit noch um ei­ni­ge Mo­na­te aus­deh­nen. Die pas­sen­den Pro­jek­te welt­weit fin­det ihr auf un­se­rer Part­ner­sei­te Frei­wil­li­gen­ar­beit.de. Von den ge­sam­mel­ten Er­fah­run­gen pro­fi­tiert ihr si­cher noch weit über das Stu­di­um  hin­aus!

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Das Wich­tigs­te zur Fi­nan­zie­rung des Aus­lands­se­mes­ters im Über­blick:

  • ERA­MUS+ eig­net sich für Auf­ent­hal­te im eu­ro­päi­schen Aus­land
  • Für Sti­pen­di­en au­ßer­halb der EU ist der DA­AD zu­stän­dig
  • Die Be­gab­ten­för­de­rungs­wer­ke stel­len Hil­fen für Stu­den­ten, die sich für die je­wei­li­ge Or­ga­ni­sa­ti­on en­ga­gie­ren
  • Mit Bafög nicht nur das Aus­lands­se­mes­ter, son­dern das kom­plet­te Aus­lands­stu­di­um fi­nan­zie­ren
  • Klas­si­sche Stu­di­en­kre­di­te als zu­sätz­li­che Fi­nan­zie­rungs­mög­lich­keit

 

Bild­quel­len (v.o.n.u.):
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