Bafög für Studenten Alles zum Anspruch von Studierenden

Bafög für Studenten

Bafög für StudentenDas sogenannte Bundesausbildungsförderungsgesetz (kurz: Bafög) soll gewährleisten, dass junge Menschen unabhängig von sozialem Stand und Einkommen der Eltern die Ausbildung Ihrer Wahl absolvieren können. Es versteht sich in erster Linie als Zuschuss zu weiteren Einnahmequellen.

Um einen ersten Überblick zu verschaffen, erklären wir alles Wichtige zu den Voraussetzungen des Anspruchs auf Bafög für Studenten, den Faktoren, die die Höhe der staatlichen Zuschüsse beeinflussen, und zeigen, wann mit der Rückzahlung begonnen werden muss.

Voraussetzungen für den Antrag auf Bafög

Im Vorhinein macht es Sinn zu prüfen, ob die angestrebte oder bereits begonnene Ausbildung grundsätzlich förderbar ist. Ist dies nämlich nicht der Fall, kann man sich die Beantragung inklusive des damit verbundenen bürokratischen Aufwands sparen. Folgende Faktoren haben Einfluss auf den Anspruch auf Bafög für Studierende:

1. Die Ausbildung ist förderungsfähig (§ 2 Abs. 1 Bafög)

Förderungsfähig sind berufsqualifizierende Vollzeitausbildungen an staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschulen oder Universitäten. Wer wissen möchte, ob die eigene Hochschule diesen Kriterien gerecht wird, kann sich über die Hochschulsuche des Hochschulkompasses informieren. Taucht die Bildungseinrichtung nicht in dieser Liste auf, ist davon auszugehen, dass im entsprechenden Fall kein Anspruch auf Bafög als Student besteht.

Bafög für duale Studenten ist nur dann möglich, wenn der monatliche Verdienst unter 450 Euro liegt (Stand 2017). Da diese Grenze in Normalfällen überschritten wird, sollte in der Regel im dualen Studium nicht mit staatlichen Zuschüssen gerechnet werden.

2. Es handelt sich um ein Erstausbildung (§ 7 Abs. 3 Bafög)

Bafög kann nicht im Zweitstudium erhalten werden, sondern lediglich im Erststudium. Einem 2. Studium ist per Definition schon eine andere Ausbildung mit erfolgreichem Hochschulabschluss vorausgegangen. Allerdings besteht die Option der Beantragung von Bafög im Masterstudium, da der Bachelor lediglich einen berufsqualifizierender und keinen Hochschulabschluss darstellt. Somit gilt der Master als Weiterführung des Erststudiums.

Auch im Falle eines Studienwechsels gilt das darauffolgende Studium weiterhin als Erstausbildung (Genaueres zur Förderung im Anschluss an einen Fachwechsel in Punkt 5 „Fachwechsel aus wichtigem Grund“).

Ebenfalls ist Bafög für Studenten mit abgeschlossener Berufsausbildung im darauffolgenden Studium möglich, und zwar wenn in der Lehre kein Anspruch auf die staatliche Förderung bestand; bei betrieblichen Ausbildungen ist das in der Regel der Fall. Entscheidend ist dabei nicht, ob tatsächlich Bafög bezogen wurde, sondern lediglich der theoretische Anspruch.

Unser Tipp:
Eine Übersicht über alle förderungsfähigen Ausbildungsstätten geben die Ausbildungsstättenverzeichnisse der Länder. Findet sich die entsprechende Einrichtung nicht in diesen Listen, stehen die Chancen nicht schlecht, dass der Anspruch auf Bafög im Studium besteht.

3. Bei Studienbeginn jünger als 30, im Masterstudium 35 Jahre (§ 10 Abs. 2 Bafög)

Wurde bei Beginn eines Studiengangs bereits das 30. Lebensjahr vollendet (anders gesagt: fällt der 30. Geburtstag vor den Semesterstart), kann nicht mehr mit einer staatlichen Ausbildungsförderung gerechnet werden. Ausnahmen bestätigen die Regel, so können Studierende mit Kindern sich die Erziehungszeiten anrechnen lassen.

Bei Masterstudenten steigt die Altersgrenze auf 35 Jahre. Somit besteht z.B. die Möglichkeit, nach einem Bachelorabschluss noch einige Jahr Berufserfahrung zu sammeln, ohne zu riskieren, dass ein Masterstudium zu einem späteren Zeitpunkt durch Bafög nicht mehr gefördert wird.

4. Die Regelstudienzeit wurde noch nicht überschritten (§ 15 Bafög)

Bafög für Studierende nur in der RegelstudienzeitZu beachten ist außerdem, dass die Zahlungen nur bis zum Ende der Regelstudienzeit geleistet werden. Eine Weiterförderung – etwa wenn das Studium ein paar Semester länger dauert – ist nur eingeschränkt möglich. Es wird für diese Zeit dann nur noch ein normaler Studienkredit mit den gängigen Zinsen angeboten.

Sind gemäß der Bestimmungen des jeweiligen Studiengangs keine Regelstudienzeiten angegeben, beläuft sich die Förderungshöchstdauer des Bafögs im Studium bei universitären Studiengängen auf 9 Semester, bei Lehramts- und Fachhochschulstudiengängen auf 7 Semester zzgl. eines weiteren Semesters bei längeren Praxiszeiten. Aufbaustudiengänge werden immerhin noch 2 Semester gefördert.

5. Bafög nur bei Studienwechsel aus wichtigem oder unabweisbaren Grund (§ 7 Bafög Abs. 3)

Ein Fach- oder Studienwechsel sollte dem Bafög-Amt unmittelbar mitgeteilt werden. Liegt per Definition ein wichtiger oder unabweisbarer Grund für den Wechsel vor, bleibt der Förderungsanspruch in aller Regel auch bei Aufnahme eines neuen Studiengangs bestehen.

Gründe können z.B. die mangelnde Eignung für das bisherige Studienfach, ein Interessenwechsel oder die Nichtzulassung zum Wunschstudiengang darstellen. Die angegebenen Gründe für den Abbruch des Studiums sollten immer, um weiterhin Bafög als Student zu erhalten, durch ausreichende Belege untermauert werden, z.B. die mangelnde Eignung durch die Vorlage unzureichender Prüfungsleistungen.

Bei einem Wechsel bis zum 3. Fachsemester, in der sog. Orientierungsphase, wird per se von einem wichtigen Grund ausgegangen (Regelvermutung); eine besondere Begründung inklusive Nachweispflicht muss hier gewöhnlich nicht angebracht werden. Die bereits absolvierten Semester werden auch nicht auf die Regelstudienzeit des zweiten Studiengangs angerechnet.

Vorsicht:
Ein zweiter Fachwechsel führt dazu, dass die bereits im zweiten Studiengang absolvierten Semester von der Förderungsdauer abgezogen werden. Ein Bezug von Bafög für Studenten ist zwar bis zum Ende der Regelstudienzeit des dritten Studiengangs möglich, allerdings nach Ablauf der insgesamt berechneten Höchstförderungsdauer nur noch in Form eines verzinslichen Bankdarlehens.

6. Deutsche Staatsbürger oder Ausländer mit Aufenthaltsrecht oder -genehmigung werden gefördert (§ 8 Bafög)

Weiterhin ist der Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft obligatorisch. Bafög für ausländische Studenten wird nur in Ausnahmefällen bewilligt, z.B. wenn dauerhaftes Aufenthaltsrecht besteht (Eltern oder Ehepartner sind EU-Bürger) oder eine Aufenthaltsgenehmigung mit ständigem Wohnsitz in Deutschland (nicht nur für die Ausbildung!) des ausländischen Studierenden vorliegt.

Dies ist lediglich als Zusammenfassung der wichtigsten Voraussetzungen für den Anspruch auf Bafög für Studierende zu sehen. Wer ganz genau Bescheid wissen möchte, sollte sich direkt im Bundesausbildungsförderungsgesetz informieren.

Höhe des Bafögs für Studierende wird individuell berechnet

Die Höhe der monatlichen Förderungssumme wird individuell berechnet und ist auch abhängig vom Einkommen der Eltern und – im Falle eines Antrags auf Bafög für verheiratete Studenten – dem Verdienst des Ehepartners. Das Kindergeld für Studenten wird als Freibetrag allerdings nicht einberechnet. Der derzeitige monatliche Bafög-Höchstsatz für Studenten liegt bei 735 Euro (Stand 2017). 

Vorab Übersicht verschaffen mit einem Bafög-Rechner

Höhe des Bafögs wird individuell berechnetWie hoch die letztendlich monatliche Rate ausfällt, kann man online über einen Bafög-Rechner grob berechnen lassen. Hierzu gibt man alle wichtigen Angaben zu Einkommen der Eltern, Kindergeld und weiteren Einnahmen an und erhält so zumindest einen Richtwert.

Die genaue Berechnung des Amtes hängt aber von vielen kleinen Details (Höhe der Kaltmiete, Einkünfte der Eltern, Höhe der persönlichen Rücklagen etc.) ab und weicht oftmals von diesem Richtwert ein wenig ab. Als erster Anhaltspunkt zur Monatsrate lohnt sich der Bafög-Rechner allemal.

Bafög-Antrag auch für „Gutverdiener“ zu empfehlen

Bafög für Studenten wird zur Hälfte als Zuschuss gewährt. Die andere Hälfte stellt der Staat als zinsfreies Darlehen zur Verfügung, welches man nach Abschluss des Studiums zurückzahlt. Auch für Studenten aus gutverdienendem Elternhaus lohnt es sich, einen Antrag zu stellen. Oftmals werden nämlich vor allem Kleinsummen (bis ca. 125 Euro monatlich) nicht beantragt und somit dem Staat geschenkt.

Wichtige Unterlagen für den Antrag auf Bafög im Studium

Die Antragstellung auf Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz – so die korrekte bürokratische Bezeichnung – ist mit ein wenig Aufwand verbunden. Bearbeitet wird der Antrag auf Bafög für Studierende vom örtlichen Amt für Ausbildung (umgangssprachlich auch „Bafög-Amt“ genannt). Dieses ist meistens an das Studentenwerk der Universität angegliedert. Dort gibt es auch die Vordrucke, die für die Antragsstellung wichtig sind. Alternativ bieten mittlerweile viele Ämter die Möglichkeit an, den Antragsbogen online auszufüllen und dann einfach auszudrucken.

Nahezu jede Angabe im Antragsbogen muss durch entsprechende Dokumente belegt werden. Gängige Unterlagen, die dem Antrag beilegen sollten, sind:

  • Kopie des Personalausweises und Immatrikulationsbescheinigung
  • Kopien von Gehaltsabrechnungen der Eltern (meist der letzten drei Monate oder des Vorjahreszeitraums)
  • Kopien von Kontoauszügen des eigenen Kontos
  • Kopie des Mietvertrags (falls man nicht bei den Eltern wohnt)

Je nach Einzelfall können weitere Unterlagen nötig werden. Wichtig ist auch eine frühzeitige Beantragung – am besten schon einige Monate bevor die Zahlung beginnen soll. Bearbeitungszeiten von mehreren Monaten sind leider keine Ausnahme.

Unser Tipp:
Vor Abgabe des Antrags einfach beim Bafög-Amt persönlich vorsprechen und den fertigen Antrag zur Durchsicht vorlegen. So werden langwierige Rückfragen des Amtes, welche die Bearbeitung um Wochen hinauszögern können, vermieden.

Bafög-Rückzahlung für Studenten erst nach Ende der Ausbildung

Die Rückzahlung des zinsfreien Darlehens, welche 50 Prozent der im Studium erhaltenen Gesamtsumme der Zahlungen beträgt, beginnt 5 Jahre nach der Auszahlung der letzten Rate. Die Mindesthöhe für die Bafög-Rückzahlung von Studenten liegt derzeit bei 105 Euro monatlich (Stand 2017).

Geringere Raten sind nur dann möglich, wenn das Gehalt keine Zahlung in Höhe von 105 Euro monatlich zulässt. Dies ist der Fall, wenn das Monatsgehalt unter 1070 Euro netto liegt (Stand 2017). Auch das Pausieren der Ratenzahlung – etwa bei vorübergehender Arbeitslosigkeit – wird auf Antrag genehmigt. In der Regel beträgt die Pause der Rückzahlung des im Studium erhaltenen Bafögs maximal ein Jahr.

Üblicherweise wird vierteljährlich zu Beginn eines Quartals abgebucht (also 315 Euro jeweils zum Januar, April, Juli und Oktober eines Jahres).

Nachlässe auf die Rückzahlungssumme möglich

Grundsätzlich müssen maximal 10.000 Euro zurückgezahlt werden, auch wenn eine höhere Summe als Darlehen erhalten wurde (Stand 2017). Es gibt allerdings auch verschiedene Möglichkeiten, diesen Rückzahlungsbetrag noch einmal zu reduzieren.

Weitere Nachlässe sind zum Beispiel möglich:

  • wenn die Darlehenssumme als Einmalzahlung zurückgezahlt wird (bis zu 49 Prozent Ermäßigung möglich)
  • wenn das Studium mit überdurchschnittlich guten Noten abgeschlossen wurde

Kurz vor Beginn der Rückzahlungsphase informiert das Amt für Ausbildung in einem ausführlichen Schreiben über die aktuell möglichen Nachlässe auf das Bafög im Studium mit genauen Angaben und Prozentzahlen.

Unser Tipp:
Dem Bafög-Amt sollte zu jeder Zeit die aktuelle Anschrift vorliegt. So wird sichergestellt, dass das wichtige Hinweisschreiben des Amtes vor Beginn der Rückzahlungsphase auch ankommt. Adressermittlungsverfahren des Amtes sind teuer und werden zusätzlich in Rechnung gestellt.

Das Wichtigste zum Bafög für Studenten im Überblick:

  • Ausbildung muss förderfähig sein (§ 2 Abs. 1 Bafög)
  • Nur Erstausbildungen werden gefördert; ein Masterstudium zählt dazu (§ 7 Abs. 3 Bafög)
  • Bei Beginn des Bachelors jünger als 30, beim Master 35 Jahre (§ 10 Abs. 2 Bafög)
  • Keine Überschreitung der Regelstudienzeit (§ 15 Bafög)
  • Studienwechsel nur aus nachweislichem Grund; bis zum 3. Semester Regelvermutung (§ 7 Bafög Abs. 3)
  • Förderung von Ausländern nur mit Aufenthaltsrecht oder -genehmigung (§ 8 Bafög)
  • Höhe des Bafögs abhängig vom Einkommen der Eltern bzw. des Ehepartners und sonstigen Einkünften
  • Antrag auf Bafög für Studenten lohnt sich auch für „Gutverdiener“
  • Rückzahlung beginnt 5 Jahre nach der Ausbildung; Nachlässe möglich

 

Bildquellen (v.o.n.u.):
© Viktor Hanacek / picjumbo.com (Apple, the Apple Logo and Macbook are trademarks of Apple Inc., registered in Germany and other countries)
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