Prü­fungs­an­fech­tung

Ei­ne schlech­te Prü­fung kann in vie­len Fäl­len fa­ta­le Fol­gen ha­ben. Bei­spiels­wei­se er­rei­chen Sie Ih­ren Ab­schluss nicht oder Ih­re Ge­samt­no­te ist zu schwach für den er­wünsch­ten Be­ruf. Ei­ne Prü­fungs­an­fech­tung kann in vie­len Fäl­len hel­fen. Dies gilt für Stu­di­um, Aus­bil­dung und Schu­le glei­cher­ma­ßen. Al­ler­dings müs­sen Sie den recht­lich vor­ge­ge­be­nen Ab­lauf zwin­gend ein­hal­ten. Zu­dem ist ei­ne ehr­li­che Ab­wä­gung der Er­folgs­aus­sich­ten rat­sam.

Er­folgs­ver­spre­chen­de Grün­de für ei­ne Prü­fungs­an­fech­tung

Ju­ris­ten un­ter­schei­den zwi­schen for­mel­len und ma­te­ri­el­len Grün­den für ei­ne Prü­fungs­an­fech­tung. Grund­sätz­lich han­delt es sich da­bei um:

  • Be­fan­gen­heit, Un­zu­ver­läs­sig­keit oder Un­fä­hig­keit der Prü­fen­den
  • Un­zu­läs­si­ge Rah­men­be­din­gun­gen (bei­spiels­wei­se durch zu gro­ßen Läm)
  • Nicht­ein­hal­tung der Prü­fungs­zeit zum Nach­teil des Ge­prüf­ten
  • Ge­prüf­ter ist nicht prü­fungs­fä­hig (bei­spiels­wei­se durch Krank­heit)
  • Ver­stoß ge­gen das Ge­bot der Chan­cen­gleich­heit
  • Falsch­be­wer­tun­gen
  • Stoff ist un­zu­läs­sig
  • Zwei-Prü­fer-Prin­zip bei Ab­schluss­prü­fun­gen wur­de nicht ein­ge­hal­ten
  • Fra­ge­stel­lung ist un­zu­läs­sig
  • Fol­ge­feh­ler wer­den als neue Feh­ler ge­wer­tet

Die­se Punk­te sind die wich­tigs­ten. Die Lis­te lie­ße sich al­ler­dings ins­ge­samt noch fort­set­zen. Wich­tig ist, dass es ei­ne Um­kehr der Be­weis­last gibt. Dies be­deu­tet, dass (in al­ler Re­gel) der Ge­prüf­te nach­wei­sen muss, dass es ein Feh­ler vor­lag. Han­delt es sich um Ver­fah­rens­feh­ler bzw. for­mel­le Grün­de (Zeit, al­les, was mit dem Prü­fen­den zu tun hat), so wird die Prü­fung un­ter glei­chen Be­din­gun­gen wie­der­holt - le­dig­lich der Feh­ler wird kor­ri­giert.Wort Study mit Würfeln gelegt

Ab­lauf ei­ner Prü­fungs­an­fech­tung

Ei­ne Prü­fungs­an­fech­tung muss frist­ge­recht durch­ge­führt wer­den. Je nach Stu­di­en- und Aus­bil­dungs­gang, Art der Prü­fung, Bil­dungs­ein­rich­tung und Bun­des­land sind da­bei un­ter­schied­li­che Fris­ten und Pro­ze­du­ren zu be­rück­sich­ti­gen. Es ist des­halb in je­dem Fall sinn­voll, sich von Pro­fis be­ra­ten zu las­sen. Rech­t­an­wäl­te ar­bei­ten zwar nicht um­sonst, ken­nen aber al­le ju­ris­ti­schen Fall­stri­cke. Dies be­ginnt mit Fra­gen der Ak­ten­ein­sicht und setzt sich mit dem sach­ge­rech­ten Ver­fas­sen der Be­grün­dung für ei­nen Wi­der­spruch ge­gen die No­te bzw. ei­nen An­trag auf ei­ne Nach­prü­fung fort. Grund­sätz­lich ist der fol­gen­de Ab­lauf gän­gig:

  1. Er­halt des Prü­fungs­er­geb­nis­ses
  2. Frist­ge­rech­te Prü­fung des Er­geb­nis­ses
  3. Frist­ge­rech­te Ein­le­gung ei­nes Wi­der­spruchs (ma­te­ri­el­le Grün­de) oder An­trag auf Nach­prü­fung (for­mel­le Grün­de)
  4. Mit Rechts­bei­stand: An­trag auf Ak­ten­ein­sicht und Be­gut­ach­tung der Prü­fun­gen durch den Ju­ris­ten
  5. End­gül­ti­ge Ent­schei­dung: Prü­fungs­an­fech­tung - ja oder nein?
  6. Er­stel­lung und Ver­sand der Ar­gu­men­ta­ti­on für ei­ne An­fech­tung
  7. Wei­ter­lei­tung an die Prü­fen­den
  8. Ent­schei­dung des Prü­fungs­am­tes: Bei Zu­stim­mung, Wie­der­ho­lung der Prü­fung oder Ver­bes­se­rung der No­te
  9. Bei Ab­leh­nung: Ge­richts­ver­fah­ren vor dem zu­stän­di­gen Ver­wal­tungs­ge­richt oder Ab­bruch des Wi­der­spruchs

Rechts­grund­la­gen für ei­ne Prü­fungs­an­fech­tung

Das Recht auf ei­ne Prü­fungs­an­fech­tung lei­tet sich über die Ver­fas­sung ab. Maß­geb­lich sind Ar­ti­kel 12 Grund­ge­setz (GG, Ge­bot der Be­rufs­frei­heit), Ar­ti­kel 3, Ab­satz 1 GG (Gleich­be­hand­lung) und Ar­ti­kel 19, Ab­satz 4 GG (Rechts­schutz). Je nach Art der Prü­fung kön­nen wei­te­re Ge­set­ze maß­geb­lich wer­den. Bei­spiels­wei­se ent­steht ei­ne Haft­bar­keit der prü­fen­den In­sti­tu­ti­on für et­wai­ge Ver­dienst­aus­fäl­le, die durch ei­ne feh­ler­haf­te Prü­fung re­sul­tie­ren. Dies muss al­ler­dings nach Ein­zel­fall ent­schie­den wer­den. Er­neut sei des­halb die Un­ter­stüt­zung durch ju­ris­ti­sche Pro­fis emp­foh­len.

Nicht je­de Prü­fungs­an­fech­tung macht Sinn

Vie­le Be­trof­fe­ne schre­cken vor Prü­fungs­an­fech­tun­gen zu­rück, weil sie im Nach­gang Re­pres­sio­nen durch die Bil­dungs­ein­rich­tung be­fürch­ten. Sol­che Ängs­te sind un­be­grün­det. Dies zei­gen zahl­lo­se Fäl­le. Uni­ver­si­tä­ten, Schu­le und sons­ti­ge Prü­fen­de ha­ben schließ­lich ein In­ter­es­se dar­an, rechts­kon­form zu ar­bei­ten. Wenn Feh­ler auf­ge­zeigt wer­den, ak­zep­tie­ren sie die­se des­halb pro­blem­los. Teil­wei­se sind sie so­gar dank­bar, wenn bei­spiels­wei­se Prü­fen­de wie­der­holt die Re­geln bre­chen.

Zur gan­zen Wahr­heit ge­hört al­ler­dings auch, dass nicht je­de Prü­fungs­an­fech­tung Sinn macht. Wird bei­spiels­wei­se ein zu kal­ter Raum be­an­stan­det, ob­wohl die Tem­pe­ra­tur wäh­rend der Prü­fung nicht an­ge­spro­chen wur­de, fällt ei­ne sol­che Be­grün­dung in der Re­gel durch. Auch soll­te nicht je­de No­te grund­sätz­lich mo­niert wer­den. Zwar lässt sich je­de staat­li­che Prü­fung an­fech­ten, aber es kos­tet Sie Ner­ven und even­tu­ell auch Geld. Sie soll­ten sich des­halb auf die wich­ti­gen Fäl­le be­schrän­ken.

Fa­zit: Ei­ne gu­te Be­grün­dung ist das A und O für ei­ne Prü­fungs­an­fech­tung

Ins­ge­samt gilt: Wer ei­ne gu­te Be­grün­dung für ei­ne Prü­fungs­an­fech­tung hat, der be­sitzt gro­ße Er­folgs­aus­sich­ten. In sol­chen Fäl­len ist es rat­sam, die­sen Weg zu ge­hen. Wich­tig ist nach­lau­fend nur noch, dass tat­säch­lich ju­ris­tisch sau­ber ge­ar­bei­tet wird, um nicht an ei­nem ei­ge­nen Form­feh­ler zu schei­tern.

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© pixabay.com
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Ver­öf­fent­licht am: 29.10.2020
Über­ar­bei­tet am: 05.11.2020