lesen lernen

Rich­tig le­sen ler­nen

Rich­tig le­sen ler­nen ist ei­ne der Schlüs­sel­qua­li­fi­ka­tio­nen des Men­schen und zählt zu den wich­tigs­ten Din­gen, die man in der Grund­schu­le lernt. Doch vie­len Kin­dern fällt das Er­ler­nen von Buch­sta­ben nicht leicht und es kann so­gar Schul­stress ver­ur­sa­chen. Wir er­klä­ren Ih­nen, wor­an das liegt und ge­ben Ih­nen Tipps für das Le­sen ler­nen, mit de­nen Sie Ihr Kind un­ter­stüt­zen kön­nen.

Schnell­na­vi­ga­ti­on

Ab­lauf des Le­se­pro­zes­ses

Wie die Tech­nik Le­sen be­ein­flusst

Sym­bol­ver­ständ­nis schu­len

Wör­ter­ra­ten ver­mei­den

Er­ken­nen von Sil­ben trai­nie­ren

Wort­schatz aus­bau­en

Le­se­lust beim Kind we­cken

Text­ver­ständ­nis trai­nie­ren

Nach­hil­fe­leh­rer von JOB­RUF

Zu­sam­men­fas­sung

Ab­lauf des Le­se­pro­zes­ses

Die ge­nau­en Vor­gän­ge beim Le­sen sind noch nicht um­fas­send er­forscht. Der Le­se­pro­zess un­ter­schei­det sich auch da­hin­ge­hend, ob zum Schrei­ben Buch­sta­ben oder Schrift­zei­chen ver­wen­det wer­den. Denn wäh­rend Buch­sta­ben zu­nächst zu ei­nem Wort zu­sam­men­ge­fügt wer­den müs­sen, lernt man bei ei­ner schrift­zei­chen­ba­sier­ten Schrift für ei­nen Be­griff ein Zei­chen, dass oft­mals nicht mehr mit an­de­ren Zei­chen zu ei­nem Wort kom­bi­niert wer­den muss.

Weit­ge­hend si­cher sind sich die Wis­sen­schaft­ler al­ler­dings dar­über, dass der Le­se­pro­zess in vier Pha­sen ab­läuft. Die­se las­sen sich fol­gen­der­ma­ßen be­schrei­ben:

  • De­ko­die­rung der Buch­sta­ben und Ver­bin­dung mit ei­nem Laut­wert
  • Ver­bin­dung der ein­zel­nen Laut­wer­te zu ei­ner Sil­be
  • Ver­bin­dung ein­zel­ner Sil­ben zu ei­nem Wort
  • Um­wand­lung des Wort­lau­tes in ei­ne kon­kre­te Be­deu­tung

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Schnel­le und lang­sa­me Le­ser: Wie un­se­re Tech­nik das Le­sen be­ein­flusst

Das mensch­li­che Ge­hirn ist un­glaub­lich leis­tungs­fä­hig. Es kann in Se­kun­den­bruch­tei­len op­ti­sche Ein­drü­cke in In­for­ma­tio­nen um­wan­deln. Die­se Fä­hig­keit macht sich die Buch­sta­ben­schrift zu Nut­ze.

Bunte Buchstaben an der WandDen­noch un­ter­schei­den sich die Ge­hir­ne ver­schie­de­ner Men­schen dar­in, wie schnell sie die durch die Buch­sta­ben vor­ge­ge­be­ne In­for­ma­ti­on um­wan­deln kön­nen und wie ge­schickt die oben ge­nann­ten vier Pha­sen durch­lau­fen wer­den.

So kommt es, dass man­che Kin­der schnell und oh­ne viel Auf­wand rich­ti­ge Le­se­rat­ten wer­den. Sie ha­ben nach vier Schul­jah­ren schon an­nä­hernd die Le­se­kom­pe­tenz ei­nes Er­wach­se­nen.

An­de­re Schü­ler tun sich schwer, wenn sie rich­tig le­sen ler­nen sol­len. Sie brau­chen län­ger, um Sil­ben zu er­ken­nen und Wör­ter zu bil­den. So­fern ei­ne Leg­as­the­nie bei Kin­dern aus­ge­schlos­sen wur­de, ist dies aber zu­nächst kein Grund zur Be­sorg­nis.

Aus­schlag­ge­bend für die­se Dis­kre­panz ist näm­lich der Ort in un­se­rem Ge­hirn, an dem die In­for­ma­tio­nen um­ge­wan­delt wer­den. Wäh­rend bei schnel­len Le­sern die Pro­zes­se im Lang­zeit­ge­dächt­nis statt­fin­den, nut­zen lang­sa­me Kin­der da­für ihr Kurz­zeit­ge­dächt­nis. Dies kos­tet sehr viel mehr Zeit, ist an­stren­gend und feh­ler­an­fäl­lig.

Kin­der, die bei der Lek­tü­re mit dem Kurz­zeit­ge­dächt­nis ar­bei­ten, ha­ben ihr Ge­hirn noch nicht da­zu ge­bracht, meh­re­re Auf­ga­ben gleich­zei­tig zu ver­ar­bei­ten. Sie sind qua­si nicht „mul­ti­tas­king­fä­hig“.

Die gu­te Nach­richt: Es gibt ei­ni­ge Mög­lich­kei­ten, wie Sie Kin­dern beim Le­sen ler­nen hel­fen kön­nen, in­dem Sie das Lang­zeit­ge­dächt­nis trai­nie­ren. Im Fol­gen­den stel­len wir Ih­nen ei­ni­ge Mög­lich­kei­ten vor.

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Verkehrsschild mit Mädchen und VaterSchu­len Sie früh­zei­tig das Sym­bol­ver­ständ­nis

Vie­le Grund­la­gen, die man be­nö­tigt, um rich­tig le­sen zu ler­nen, wer­den be­reits vor der Grund­schu­le ge­legt. Da­zu ge­hört die Ent­wick­lung ei­nes grund­sätz­li­chen Sym­bol­ver­ständ­nis­ses. Kin­der müs­sen al­so erst ein­mal ver­ste­hen, was ein Sym­bol ist und wie man es mit ei­nem Be­deu­tungs­in­halt ver­knüpft. Schlech­te No­ten in der Schu­le ha­ben al­so nicht im­mer et­was mit faul sein oder schlech­ter Vor­be­rei­tung zu tun.

Üben Sie spie­le­risch mit Ih­rem Kind im All­tag, Sym­bo­le zu er­ken­nen und zu deu­ten. Er­klä­ren Sie bei­spiels­wei­se die Stra­ßen­schil­der und fra­gen Sie Ihr Kind bei ei­nem Spa­zier­gang „zu­fäl­lig“ und ganz bei­läu­fig nach der Be­deu­tung ei­nes Schil­des.

Durch die Wie­der­ga­be von Be­deu­tungs­in­hal­ten in ei­ge­nen Wor­ten lernt Ihr Kind un­be­wusst den Um­gang mit Sym­bo­len, was ihm auch das Er­ken­nen von Buch­sta­ben als Laut­sym­bo­le ver­ein­facht.

Un­ser Tipp:
Bas­teln Sie ge­mein­sam mit Ih­rem Kind Pla­ka­te mit dem Al­pha­bet und hän­gen Sie die­se „Kunst­wer­ke“ im Kin­der­zim­mer auf. So hat Ihr Kind auch in sei­ner Frei­zeit ganz spie­le­risch die neu­en Buch­sta­ben­sym­bo­le in sei­nem 
Um­feld und kann nach Be­lie­ben üben.

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Ver­mei­den Sie das Ra­ten von Wör­tern

Vor al­lem An­fän­gern ist es läs­tig, das Le­sen zu üben, in­dem sie sich je­des Wort Buch­sta­be für Buch­sta­be er­schlie­ßen. Vie­le fan­gen dann ir­gend­wann an, die Wör­ter zu er­ra­ten. Da­durch wird der Lern­pro­zess des Ge­hirns al­ler­dings ab­rupt ab­ge­bro­chen, was letzt­end­lich zu ei­ner schlech­te­ren Le­se­kom­pe­tenz füh­ren kann.

Ach­ten Sie al­so ins­be­son­de­re bei Erst­kläss­lern dar­auf, dass an­fangs je­der Buch­sta­be sorg­fäl­tig er­kannt wird und gründ­lich mit den an­de­ren zu ei­ner Sil­be ver­bun­den wird. Un­ter­bin­den Sie je­den Ra­te­ver­such und sa­gen Sie Ih­rem Kind klar und deut­lich, dass die­se nicht er­wünscht sind. Falls Ihr Kind un­ge­dul­dig wird oder Kon­zen­tra­ti­ons­pro­ble­me hat, kön­nen Sie das Trai­ning kurz für ei­ne Ent­span­nungs­ein­heit un­ter­bre­chen.

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Trai­nie­ren Sie das Er­ken­nen von Sil­benMutter und Tochter auf einer Bank

Um Kin­dern beim Le­sen ler­nen zu hel­fen, soll­ten Sie mit An­fän­gern das Ver­knüp­fen von Buch­sta­ben zu Sil­ben üben. Die­sen Teil des Le­se­pro­zes­ses kön­nen Sie mit Hil­fe der Sil­ben­me­tho­de iso­liert trai­nie­ren. Prä­pa­rie­ren Sie hier­zu ei­nen kur­zen Le­se­text so, dass die un­ter­schied­li­chen Sil­ben der Wör­ter je­weils ab­wech­selnd in zwei ver­schie­de­nen Far­ben mar­kiert wer­den.

Beim Wort „Buch­sta­be“ mar­kie­ren Sie al­so die Sil­be „Buch“ rot, die dar­auf fol­gen­de Sil­be „sta“ blau und die letz­te Sil­be „ben“ wie­der­um rot. Das nächs­te Wort be­ginnt dann er­neut mit ei­ner blau­en Sil­be. Da­durch tei­len Sie die Wör­ter des Tex­tes op­tisch we­sent­lich deut­li­cher in Sil­ben auf.

Las­sen Sie Ihr Kind mög­lichst oft und in re­gel­mä­ßi­gem Tur­nus sol­che Tex­te laut vor­le­sen. Mit der Zeit übt das Ge­hirn, Sil­ben an­statt Buch­sta­ben zu er­ken­nen, was zu ei­nem flüs­si­ge­ren Le­se­pro­zess führt.

Un­ser Tipp:
Das flüs­si­ge Le­sen von Sil­ben lässt sich auch mit der Ra­ke­ten­le­se­me­tho­de üben. Schrei­ben Sie zehn Sil­ben un­ter­ein­an­der auf ein Blatt Pa­pier und stop­pen Sie die Zeit, wie lan­ge Ihr Kind für die Auf­ga­be braucht. An­schlie­ßend prü­fen Sie die Feh­ler­men­ge. Mit der Zeit wird Ihr Kind zu­neh­mend schnel­ler und bes­ser.

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Bau­en Sie den ak­ti­ven Wort­schatz aus

Vie­le Kin­der mit Pro­ble­men beim Le­sen ver­fü­gen über ei­nen im Ver­gleich zu an­de­ren Kin­dern ih­rer Al­ters­grup­pe ge­rin­ge­ren Wort­schatz. Dies er­schwert das Er­ken­nen von Wor­ten beim Le­sen üben, da man zum Er­ken­nen ei­nes Wor­tes an­hand sei­nes Lau­tes erst ein­mal das Wort als sol­ches ken­nen muss.

Ar­bei­ten Sie ak­tiv am Auf­bau ei­nes brei­ten Wort­schat­zes, in­dem Sie zum Bei­spiel „Kin­der­spra­che“ ver­mei­den und hier und da auch „er­wach­se­ne“ Wor­te be­nut­zen. Ver­wen­den Sie zum Bei­spiel nicht „Wau­wau“, son­dern „Hund“, „Rü­de“ und „Hün­din“. Die meis­ten Kin­der sind sehr neu­gie­rig und fra­gen bei Ma­ma und Pa­pa di­rekt nach, wenn Sie ein Wort nicht ver­ste­hen.

Un­ser Tipp:
Er­klä­ren Sie un­be­kann­te Wor­te in ein­fa­cher Spra­che, so­dass sich Ihr Kind die neue Vo­ka­bel mer­ken kann und in den ak­ti­ven Wort­schatz über­nimmt. Die­ses Prin­zip ken­nen Sie viel­leicht noch aus dem Fremd­spra­chen­un­ter­richt, wo neue Wör­ter mit be­reits be­kann­ten er­klärt wer­den. Auch beim Er­werb der Mut­ter­spra­che funk­tio­niert die­se ein­fa­che Wort­schatz­übung.

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We­cken Sie die Le­se­lust in Ih­rem Kind

Wenn je­der Satz zur Qual wird, zei­gen Kin­der schnell Mei­de­ver­hal­ten. Doch ge­ra­de häu­fi­ges Trai­ning übt die Wahr­neh­mung der Buch­sta­ben und ver­bes­sert den Le­se­fluss. Denn letzt­end­lich ist Le­sen ler­nen auch ei­ne Übungs­sa­che für un­ser Ge­hirn.

För­dern Sie die Le­se­lust Ih­res Kin­des, zum Bei­spiel mit sei­ner Lieb­lings­ge­schich­te oder tau­schen Sie abends beim Vor­le­sen die Rol­len. Hel­fen Sie bei schwie­ri­gen Sil­ben de­zent und se­hen Sie klei­ne­re Feh­ler nach. Lo­ben Sie Ihr Kind für sei­nen Fleiß und zei­gen Sie ihm, dass Sie stolz sind. Denn Ih­re Un­ter­stüt­zung ist wich­tig, um Selbst­be­wusst­sein auf­zu­bau­en.

Un­ser Tipp:
Le­sen Sie mit Ih­rem Kind ge­mein­sam Tex­te, die es sich selbst aus­wählt. Denn je in­ter­es­san­ter das The­ma für Ihr Kind, des­to be­geis­ter­ter ließt es den Text.

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Trai­nie­ren Sie das Text­ver­ständ­nis

Text in NahaufnahmeVor al­lem Le­se­an­fän­ger be­nö­ti­gen mit­un­ter so viel Auf­merk­sam­keit für den Le­se­pro­zess, dass sie dar­über hin­aus den Sinn des Tex­tes nicht er­fas­sen kön­nen. Auch hier braucht Ihr Kind Ih­re Un­ter­stüt­zung. Ein gu­tes Text­ver­ständ­nis ist Vor­aus­set­zung für ei­gen­stän­di­ges Ler­nen in hö­he­ren Klas­sen­stu­fen und nicht zu­letzt auch sehr wich­tig, da­mit Schul­kin­der nicht sit­zen blei­ben.

Le­sen Sie ge­mein­sam ei­nen Satz. Fas­sen Sie dann den In­halt noch ein­mal zu­sam­men oder wie­der­ho­len Sie den Satz ein­fach in nor­ma­ler Sprech­ge­schwin­dig­keit. Fra­gen Sie nach dem In­halt der Ge­schich­te oder las­sen Sie Ihr Kind die­se in ei­ge­nen Wor­ten nach­er­zäh­len. So kön­nen Sie das Text­ver­ständ­nis beim Le­sen üben.

Die nö­ti­ge Ge­duld zu ha­ben ist sehr wich­tig beim ge­mein­sa­men Trai­ning und er­for­dert Ih­re ge­sam­te An­stren­gung. Aber nur da­durch kann Ihr Kind er­folg­reich le­sen ler­nen.

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Nach­hil­fe­leh­rer bei JOB­RUF fin­den

Sie möch­ten Ihr Kind beim Le­sen un­ter­stüt­zen, ha­ben aber nicht im­mer ge­nü­gend Zeit da­für? Bei JOB­RUF kön­nen Sie stu­den­ti­sche Nach­hil­fe­leh­rer fin­den, die Ihr Kind ge­zielt un­ter­stüt­zen kön­nen. 

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Le­sen ler­nen – un­se­re Tipps im Fa­zit:

  • Le­se­pro­zess ver­läuft in 4 Pha­sen
  • Gu­te Le­ser spei­chern In­for­ma­tio­nen im Lang­zeit­ge­dächt­nis
  • Früh­zei­tig Sym­bol­ver­ständ­nis schu­len
  • Er­ken­nen von Sil­ben muss ge­übt wer­den
  • Re­gel­mä­ßi­ges Le­sen ist Vor­aus­set­zung für ei­ne gu­te Le­se­kom­pe­tenz
  • Wort­schatz spie­le­risch er­wei­tern
  • Le­se­lust ist wich­tig für mo­ti­vier­tes Ler­nen
  • Text­ver­ständ­nis re­gel­mä­ßig durch Nach­fra­gen über­prü­fen

 

Bild­quel­len (v.o.n.u.):
© "Ever­y­bo­dy Rea­ding" by Paul Ha­mil­ton is li­cen­ced un­der  CC BY-SA 2.0 (si­ze chan­ged)
© "111/365 - Ma­gne­tic Let­ters" by da­vidd is li­cen­ced un­der CC BY 2.0
© "Child­ren Pas­sing - Road Sign" by zeev­veez is li­cen­ced un­der CC BY 2.0
© "mom reads 1" by po­po­f­at­ti­cus is li­cen­ced un­der CC BY 2.0
© "Text" by der win­zig is li­cen­ced un­der CC BY-SA 2.0 (si­ze chan­ged)