Arbeiten auf Rechnung als Student Selbstständig ohne Gewerbe tätig werden

Arbeiten auf Rechnung als Student

Arbeiten auf Rechnung als StudentDas Arbeiten auf Rechnung als Student bedeutet nicht zwangsläufig, dass vor Ausübung der Tätigkeit ein Gewerbe angemeldet werden muss. Unter bestimmten Voraussetzungen ist die Rechnungsstellung auch ohne gewerbliche Steuernummer möglich – welche das sind, wann sich das selbstständige Arbeiten ohne Gewerbeschein in der Praxis empfiehlt und ob sich für Studenten steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Änderungen ergeben, haben wir zusammengefasst.

Sporadisch, ohne Gewinn oder Freiberuf? Kein Gewerbe

Damit die Tätigkeit nicht unter den Gewerbegriff fällt – und somit das Arbeiten auf Rechnung auch ohne Gewerbeschein möglich ist – muss eine der drei folgenden Voraussetzungen erfüllt werden:

Voraussetzung 1: Tätigkeit wird nicht regelmäßig ausgeführt

Wer nur unregelmäßig auf selbstständiger Basis tätig wird, kann die Arbeitszeit auch ohne Gewerbeanmeldung in Rechnung stellen. Erst sobald längerfristig mit regelmäßigen Einsätzen zu rechnen ist, sollte ein Gewerbeschein als Student beantragt werden.

 Beispiel:
Sporadisches Arbeiten als Umzugshelfer fällt nicht unter den Gewerbebegriff, eine regelmäßige, nicht weisungsgebundene Tätigkeit als Interviewer (z. B. zwei Mal im Monat) dagegen schon.

Voraussetzung 2: Es liegt keine Gewinnerzielungsabsicht vor

Eine Gewinnerzielungsabsicht liegt immer dann vor, wenn durch eine Tätigkeit Einnahmen erzielt werden, die über die Kostendeckung hinausgehen. Will heißen, dass nach Erledigung der Arbeit unter dem Strich Geld übrig bleibt. Solange jedoch die Einnahmen niedriger sind als Ausgaben für Arbeitsmaterialen und Fahrtkosten, ist das Arbeiten auf Rechnung als Student auch ohne Gewerbeschein möglich.

 Beispiel:
Bei einem Gelegenheitsjob liegt der Verdienst bei insgesamt 30 €, die gleiche Summe oder ein höherer Betrag wird allerdings für die Anfahrt und z. B. Arbeitshandschuhe investiert.

Voraussetzung 3: Es handelt sich um eine freiberufliche Tätigkeit

Freiberuflich selbstständig arbeiten ohne GewerbeDie sogenannten freien Berufe fallen grundsätzlich nicht unter den Gewerbebegriff, auch wenn diese auf Dauer angelegt sind und mit Gewinnerzielungsabsicht als Selbstständiger gearbeitet wird. Freiberufler arbeiten in künstlerischen, schriftstellerischen, unterrichtenden oder erzieherischen Bereichen, z.B. als Musik- und Nachhilfelehrer oder Print- bzw. Onlineredakteur.

Freiberuflich Tätige stellen genau wie Gewerbetreibende Rechnungen über die geleistete Arbeit aus. Die Pflicht zur Gewerbeanmeldung entfällt allerdings auch, wenn regelmäßig über einen längeren Zeitraum gearbeitet wird.

 Beispiel:
Ein Student arbeitet als Nachhilfelehrer für Mathematik oder auch als Hausaufgabenbetreuer in einer Grundschule und stellt die Arbeitszeit in Rechnung.


Für die Entscheidung, ob eine Rechnung ohne Gewerbeschein ausgestellt werden darf, ist es unerheblich, ob eine andere Beschäftigung ausgeübt wird, z. B. ein 450-Euro-Minijob oder ein Midijob als Student. Maßgeblich sind alleine die genannten Bedingungen.

Die Grenzen zum Gewerbetreibenden oft nicht klar definiert

Obwohl für das selbstständige Arbeiten ohne Gewerbe bestimmte Voraussetzungen gelten, sind die Grenzen zu einer gewerbepflichtigen selbstständigen Tätigkeit oft fließend. So ist z. B. nicht genau festgelegt, ab welchem Umfang eine Arbeit als regelmäßig eingestuft wird.

Das Gleiche gilt für die freien Berufe: Welche Jobs in diese Kategorie fallen, ist in vielen Fällen von Finanzamt zu Finanzamt unterschiedlich – hier gibt es einen großen Ermessensspielraum. Viele Auftraggeber verlangen aus diesem Grund für die Aufnahme der Tätigkeit einen Gewerbeschein, um sich nicht der Gefahr der Schwarzarbeit auszusetzen.

 Unser Tipp:
Im Zweifelsfall beim zuständigen Finanzamt anrufen und erfragen, ob als Student auf Rechnung ohne Gewerbe im individuellen Fall möglich ist. Wenn nötig, kann die Gewerbeanmeldung schnell und unkompliziert erfolgen. Die Kosten belaufen sich in den meisten Kommunen lediglich einmalig auf 20 €.

Meldepflicht beim Finanzamt, aber meistens steuerfrei

Selbstständig Arbeiten ohne SteuerbelastungEinkünfte aus selbstständiger Arbeit müssen dem Finanzamt in der Einkommenssteuererklärung am Ende des Jahres angezeigt werden. Das ist unabhängig davon, ob die Arbeit mit oder ohne Gewerbeschein abgerechnet wurde. Einkommen unter 410 €/Jahr (Stand 2016) wird nicht versteuert.  Kommt es jedoch zu einem Mehrverdienst, wird dieser zu allen weiteren Einkünften addiert. Hieraus ergibt sich das zu versteuernde Einkommen.

Aber: Wenn das gesamte zu versteuernde Einkommen in einem Jahr unter dem Freibetrag von 8.472 € (Stand 2016) bleibt, ist die Steuerlast gleich Null. Wurde im laufenden Jahr schon Lohnsteuer gezahlt, erhält man diese im Rahmen des Lohnsteuerjahresausgleichs komplett zurück.

Keine Auswirkungen auf die Sozialversicherung

Studenten können im Falle einer selbstständigen Tätigkeit in der Krankenversicherung für Studenten Mitglied bleiben, sofern die geltenden Voraussetzungen eingehalten werden (Verdienstgrenzen; max. 20 Std. Arbeit während des Semesters) – im Zuge der Arbeit müssen somit keine zusätzlichen Beiträge gezahlt werden. Hier gibt es im Vergleich zu anderen Beschäftigungsformen keine Besonderheiten.

In den anderen Sozialversicherungszweigen entsteht ebenfalls keine Beitragspflicht aus einer Tätigkeit mit Rechnungsstellung – unabhängig davon, wie hoch die erzielten Einnahmen sind.Bafög-Grenze beachten

Über 4880 €/Jahr Verdienst: Abzüge vom Bafög

Studenten müssen auch Einnahmen, die bei der Rechnungsstellung ohne Gewerbeschein erzielt werden, dem Bafög-Amt anzeigen. Diese werden allen weiteren Einkünften hinzugerechnet. Der Betrag, den das Einkommen einschließlich dieser Einnahmen die Grenze von 4.880 €/Jahr (Stand 2016) übersteigt, wird in entsprechender Höhe von den Bafög-Zahlungen wieder abgezogen.

Seit 2012 ist es für den elterlichen Anspruch auf Kindergeld für Studenten unerheblich, wie viel Studierende neben dem Studium verdienen. Es gibt nämlich keine Höchstgrenze für Nebeneinkünfte des Kindes mehr (bis Ende 2011 waren es max. 8.004 €). Somit haben auch Einkünfte, die beim Arbeiten auf Rechnung als Student erzielt werden, keine Auswirkungen auf den Kindergeldanspruch.

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Alles Wichtige zum Arbeiten auf Rechnung als Student:

  • Voraussetzungen für das Arbeiten auf Rechnung als Student ohne Gewerbeschein: sporadisch, ohne Gewinnerzielung oder Freiberuf
  • Grenzen zum Gewerbetreibenden fließend
  • Bis 8.470 € Jahresverdienst keine Steuerbelastung
  • Versicherung in Familienversicherung oder studentischen Krankenversicherung möglich; Verdienstgrenzen beachten
  • Ab 4.880 € Jahresverdienst Abzüge vom Bafög
  • Keine Verdienstgrenzen für Kindergeldberechtigte

 


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