Wer sein Erststudium ohne Abschluss beendet, hat sich diese Entscheidung in der Regel nicht leicht gemacht. Du warst vielleicht schon längere Zeit unglücklich im Studium, hast lange überlegt, aber nun bist du sicher: Du willst dein Studium abbrechen. Und dann? Wir zeigen dir, was du bei Studienabbruch tun kannst und erklären, welche Vorteile die Möglichkeiten haben.

Studienabbruch: Was nun? Warum dein Erststudium nicht „umsonst“ war

Als Studienabbrecher oder Studienabbrecherin stehst du gewissermaßen wieder am Anfang: Unzählige Möglichkeiten liegen vor dir. Aber Moment mal, direkt nach dem Schulabschluss fühlte sich das irgendwie besser an? Frau, die fröhlich in die Luft springtVerständlich, denn als Abiturient oder Abiturientin hast du das Abenteuer Studium wahrscheinlich mit großen Erwartungen begonnen, ebenso wie zeitgleich viele deiner Altersgenossen. Das ist nun ein wenig anders.

Deshalb ist es nun besonders wichtig, dein Selbstvertrauen zu stärken und optimistisch in die Zukunft zu schauen. Dabei kann dir helfen, dir klar zu machen, dass dein Erststudium nicht „umsonst“ war. Auch ohne Abschlusszeugnis war diese Zeit eine wichtige persönliche Erfahrung für dich. Mit Sicherheit hast du dich dadurch persönlich weiterentwickelt.

Du hast Referate gerockt und Gruppenarbeiten überlebt? Dich an einem neuen Studienort eingelebt oder eine WG gegründet? Das sind fachliche und soziale Kompetenzen, die dir bestimmt noch mal zugutekommen werden – egal, welchen Weg du jetzt einschlägst. Möglichkeiten hast du jedenfalls genug.

Schon gewusst?
Mit der Frage „Studienabbruch: Was nun?“ bist du nicht allein. Fast ein Drittel aller Studierenden beendet sein Erststudium ohne Abschluss. Im Jahr 2020 lag der Prozentsatz bei 28% aller Studierenden in Bachelor-Studiengängen und 21% der Master-Studeingänge. (Stand: 2023, Quelle: Spiegel)

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Möglichkeit 1: Ausbildung oder direkt in die Berufspraxis

Wenn dich die Frage „Studienabbruch, und dann?“ weiter umtreibt, hier eine gute Nachricht: Du bist auch mit einem abgebrochenen Studium auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Denn während immer mehr Schulabgänger ein Studium beginnen, bewerben sich immer weniger von ihnen auf Ausbildungsplätze. Der Effekt: Studienabbrecher werden von Ausbildungsbetrieben oftmals händeringend gesucht. Deine Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind somit groß. 

Auszubildender mit Kollegen in WerkstattDass du nun schon etwas älter bist, als der typische Schulabgänger, stellt dabei keinen Nachteil dar. Vielmehr gibt es genug Ausbildungsbetriebe, in denen man genau das zu schätzen weiß. Schließlich bringst du mehr Lebenserfahrung mit, als so manch jüngerer Kollege oder Kollegin. Dadurch fällt es dir zum Beispiel möglicherweise leichter, Kundengespräche selbstbewusst und überzeugend zu führen. Zudem bist du bereits alt genug, den Führerschein zu haben bzw. zu machen – ebenfalls ein Vorteil für sehr viele Ausbildungsberufe. 

In einige Berufsbilder führt der Weg nicht über eine betriebliche Ausbildung, sondern über eine Berufsfachschule. Dazu zählen unter anderem viele soziale und therapeutische Berufe, etwa aus den Bereichen Erziehung, Pflege und  Logopädie. Ebenso gehören aber auch Informatik und Labor- und Verfahrenstechnik dazu. An einer Berufsfachschule wechseln sich Lernphasen mit Praxisphasen ab. 

Für einige Studierende, die unglücklich an der Uni sind, gibt es noch eine weitere Option: Sie können ihr Studium abbrechen und dann direkt in den Beruf gehen. Konkret hängt das davon ab, welches Vorwissen du mitbringst und für welche Branche du dich interessierst. Mehr über deine Möglichkeiten für Ausbildung und Quereinstieg erfährst du hier:

  • Ausbildungsberater der Industrie- und Handelskammer (IHK) oder Handwerkskammer (HWK) vor Ort
  • Hochschulteam der Arbeitsagentur vor Ort
  • Bildungsberatungsstelle deiner Kommune
  • Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner direkt in einem für dich interessanten Betrieb
  • Datenbank Berufenet der Bundesagentur für Arbeit
  • Portal Studienabbruch – und dann? des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Schon gewusst?
Ausbildungen beginnen typischerweise zum 1. August oder 1. September. Ein Quereinstieg ist gegebenenfalls auch zu einem anderen Zeitpunkt möglich.

Du hast Lust und auch die Möglichkeit, jetzt direkt zu arbeiten, willst aber nicht auf einen handfesten Abschluss verzichten, weil du dir davon langfristig zum Beispiel bessere Karrierechancen und bessere Bezahlung versprichst? Wenn du ausreichend Praxiserfahrung vorweisen kannst, hast du in vielen Berufen die Möglichkeit, die Ausbildung zu verkürzen oder sogar direkt eine Externenprüfung abzulegen. Auf diese Weise kannst du auch ohne Ausbildung einen qualifizierenden Berufsabschluss machen.

Schon gewusst?
Deine Weiterbildungsmöglichkeiten im Anschluss an einen qualifizierenden Berufsabschluss sind vielfältig. Auch ein Studium ist möglich, berufsbegleitend, in Vollzeit oder als Fernstudium. Es gibt sogar Studiengänge, für die mehrjährige Berufserfahrung Zulassungsvoraussetzung ist. In unseren Tipps für das Fernstudium erfährst du, welche Vorteile dieses spezielle Modell bietet und ob es für dich in Frage kommt. 

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Möglichkeit 2: Praktikum zur Orientierung

Gerade wenn du als Studienabbrecher eine andere fachliche Richtung als bisher einschlagen möchtest, kannst du als Praktikant oder Praktikantin kurzfristig in neue Bereiche reinschnuppern. Auch wenn du vielleicht bereits das ein oder andere Praktikum absolviert hast, kann jetzt genau der richtige Zeitpunkt für weitere Hospitanzen sein. Älterer Handwerker und junger Mann in WerkstattAuf diese Weise gewinnst du direkt einen realistischen Eindruck der Arbeitswelt und siehst, welcher Beruf dir liegt.

Praktika sind meist unbezahlt, dafür kannst du als Studienabbrecher hier wertvolle Orientierung bekommen. Je mehr du dich einbringst, desto mehr Erfahrungen kannst du sammeln. Deine Neugier und deine Initiative werden in der Regel damit belohnt, dass du mehr und mehr interessante Aufgaben bekommst, an denen du dich ausprobieren kannst. 

Nach der vielen Theorie an der Uni sind ein paar Wochen oder Monate Praxis sicherlich eine willkommene Abwechslung für dich. Denn als Praktikantin oder Praktikant sammelst du dein Wissen da, wo du es auch direkt wieder anwenden kannst. 

Dein Vorteil: Du bist jetzt besonders flexibel und kannst dich voll und ganz darauf konzentrieren, weil du zum Beispiel nicht noch nebenbei Hausarbeiten schreiben oder lernen musst. 

Tipp
Wenn dir das Praktikum gefällt, kannst du planen, wie du in diesem Bereich Fuß fasst. Lass dir zum Beispiel in der Mittagspause von deinen Kolleginnen und Kollegen erzählen, wie deren Laufbahn aussah.

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Möglichkeit 3: Fächerwechsel 

Das Unileben hat dir eigentlich ganz gut gefallen? Dann waren wohl weder stressige Klausurphasen noch die ein oder andere langweilige Vorlesung der Grund für deinen Studienabbruch. Was nun? Wenn es dich zurück an die Hochschule zieht, ist der Fachwechsel bzw. Fächerwechsel eine Option. Hrösaal mit vielen Studierenden

Damit du in ein Fach wechselst, dass dich wirklich glücklich macht, können dir zum Beispiel die Studienberaterinnen und Studienberater deiner Hochschule helfen. Ebenso kannst du dich selbstverständlich nach anderen Hochschulen umschauen. Vielleicht bringt es dich weiter, jetzt den Studienort und den Hochschultyp zu wechseln. Wenn du dich hierfür vor Ende des dritten Semesters entscheidest, bleibt sogar dein BAföG-Anspruch erhalten. Zu einem späteren Zeitpunkt musst du deinen Fächerwechsel beim BAföG-Amt begründen.

Deine Vorteile: Den Uni-Betrieb kennst du jetzt schon zur Genüge und möglicherweise kannst du dir Scheine aus deinem ersten Studium anrechnen lassen. Je ähnlicher dein neues Fach dem alten Fach ist, desto besser gelingt das. Sogar die Einstufung in ein höheres Semester ist möglich. Nebenbei kannst du mit flexiblen Studentenjobs sowohl Praxiserfahrung sammeln, als auch dein eigenes Geld verdienen.

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Möglichkeit 4: Längere Auszeit mit FSJ oder Auslandsaufenthalt

Mit dem Auslandsjahr in der Oberstufe hat es – zum Beispiel wegen der Corona-Pandemie – nicht geklappt? Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) nach der Schule hast du verworfen, weil du dann doch lieber schnell an die Uni wolltest? Zum Auslandssemester in deinem Studium ist es nicht gekommen? Junger Mann mit Rucksack auf Berg blickt in die FerneGute Nachricht für Studienabbrecher: Was nun mit deiner Zeit möglich ist, ist nicht auf Studieren oder Arbeiten begrenzt. Du hast jetzt die Chance, deine längere Auszeit nachzuholen.

Voraussetzung für ein FSJ ist, dass du jünger als 27 Jahre bist und dich gerne sozial engagierst. Mit Kindern oder älteren Menschen arbeiten; die Natur schützen oder Rettungswagen fahren sind nur einige von vielen Möglichkeiten: Offene FSJ-Stellen gibt es viele.

Du suchst das Abenteuer lieber in der Ferne und willst vielleicht noch Sprachkenntnisse aufbessern? Soziales Engagement ist auch im Ausland bei internationalen Hilfsorganisationen möglich. Natürlich sind auch Work & Travel oder ein Aufenthalt als Au-Pair in einer Gastfamilie eine Option für dich.

Dein Vorteil: Ein längerer Auslandsaufenthalt und Sprachkenntnisse werten deinen Lebenslauf auf. Die vertraute Umgebung zu verlassen und neue Kulturen kennenzulernen kann dich außerdem auf neue Idee bringen, aus denen ein konkreter Plan für deine weitere Laufbahn werden kann.

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Studium abbrechen: Was Dann? Soziale Beratung in Anspruch nehmen

Nicht wenige unzufriedene Studierende hoffen sicherlich, dass ihre Sorgen vorbei sind, wenn sie ihr Studium abbrechen. Was tun, wenn es nicht so ist und die Krise stattdessen immer größer wird? Gerade, wenn dein Leben bis jetzt ziemlich geradlinig verlaufen ist, stellt dich diese Zeit vor große Herausforderungen. Deshalb sind Beratungsangebote für Studienabbrecher nicht auf die fachliche Neuorientierung begrenzt.

Zum Beispiel die Studentenwerke bieten psychologische Beratung speziell für junge Menschen an, die ihr Studium abbrechen. Was dann getan werden kann, kannst du hier ganz offen mit unvoreingenommenen Beraterinnen und Beratern besprechen. Ebenso kannst du dich bei ihnen auch informieren, wie du ein mögliches Zweitstudium finanzieren kannst.

An vielen Orten gibt es auch kommunale Beratungsstellen mit einem Angebot speziell für junge Menschen.

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Zusammenfassung

  • Selbstbewusst bleiben Dein Erststudium war nicht „umsonst“, sondern hat dir wichtige Erfahrungen ermöglicht
  • Verschaffe dir einen Überblick über deine Möglichkeiten:
  • Möglichkeit 1: Lust, zu arbeiten? Studienabbrecher sind gefragt als Azubis oder Quereinsteiger
  • Möglichkeit 2: Ein Praktikum ist nicht nur eine Abwechslung vom theoretischen Studium, sondern bietet dir wertvolle Orientierung
  • Möglichkeit 3: Fächerwechsel? Deinen Plan vom Studentenleben und einem Hochschul-Abschluss kannst du immer noch verwirklichen
  • Möglichkeit 4: Produktive Pause? Ein FSJ oder Auslandsaufenthalt machen sich gut im Lebenslauf und verschaffen dir Zeit zum Nachdenken über deine persönlichen Vorstellungen und Neigungen
  • Je nachdem, was für dich infrage kommt, helfen dir spezialisierte Beratungsstellen weiter
  • Wenn seelische oder finanzielle Sorgen zu groß sind: psychologische und soziale Beratung helfen dir, gute Voraussetzungen für deinen weiteren Weg nach dem Studienabbruch zu schaffen

 

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Veröffentlicht am: 21.03.2022
Überarbeitet am: 25.06.2024