Schritt für Schritt zur ers­ten ei­ge­nen Woh­nung

Die meis­ten Stu­den­ten ver­schlägt es zu Be­ginn ih­res Stu­di­ums in die ers­te ei­ge­ne Woh­nung oder WG- und das meis­tens et­li­che Ki­lo­me­ter vom bis­he­ri­gen Wohn­ort ent­fernt. Um ei­ne pas­sen­de Blei­be zu fin­den, ist ei­ne gu­te Or­ga­ni­sa­ti­on ge­fragt. Die­ser Ar­ti­kel zeigt dir, wie du vor­ge­hen kannst.

Start ins Stu­di­um – ein neu­er Le­bens­ab­schnitt be­ginnt

Ein neu­er Le­bens­ab­schnitt liegt vor dir – si­cher mischt sich in die Vor­freu­de auf das Stu­di­um auch ein we­nig Auf­re­gung. Ob das Stu­di­um dir ge­fal­len wird? Fin­dest du schnell neue Freun­de? Ge­fällt dir die neue Stadt? Ne­ben der Su­che nach Stu­den­ten­jobs sind dies klas­si­sche Fra­gen, mit de­nen sich je­der frisch­ge­ba­cke­ne Stu­dent, der sei­nen Wohn­ort wech­selt, aus­ein­an­der­setzt.

Der Uni-Start als Erst­se­mes­ter be­ginnt auf je­den Fall ent­spann­ter, wenn du recht­zei­tig die pas­sen­den vier Wän­de ge­fun­den hast. Des­halb soll­test du dich zu­nächst fra­gen, wie du über­haupt woh­nen möch­test – ob eher ei­ne ru­hi­ge Um­ge­bung vor­zie­hen oder mit­ten im Tru­bel, mit mög­lichst vie­len Gleich­ge­sinn­ten zu­sam­men oder lie­ber al­lein.

Al­les hat sei­ne Vor- und Nach­tei­le. So­bald du dir dar­über im Kla­ren bist, stel­le an­schlie­ßend am bes­ten die wich­tigs­ten per­sön­li­chen Kri­te­ri­en für die zu­künf­ti­ge Woh­nung auf. Fol­gen­de Fak­to­ren soll­ten in die Lis­te ein­flie­ßen:

  • Wie­viel Geld steht für ei­ne Woh­nung oder ein Zim­mer zur Ver­fü­gung? Ge­mein­hin gilt die Faust­for­mel, dass die Mie­te nicht mehr als 30 Pro­zent vom Net­to-Ein­kom­men/Bafög/Un­ter­halt be­tra­gen soll­te.
  • Wel­che An­for­de­run­gen an die Aus­stat­tung (Ba­de­wan­ne, Zim­mer­an­zahl, Bal­kon, Gar­ten, vor­han­de­ne Kü­che) hast du?
  • Wie groß muss die Woh­nung oder das Zim­mer sein und wie vie­le Zim­mer be­nö­tigst du? Nach An­ga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts aus dem Jahr 2019 kom­men auf ei­nen Bun­des­bür­ger im Durch­schnitt 47 Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che (in­klu­si­ve Kü­che, Bad, Flur, …).
  • Wie ist die In­fra­struk­tur und wie sehr bist du dar­auf an­ge­wie­sen? (Nä­he zu Su­per­märk­ten, zur U- oder Stra­ßen­bahn, In­nen­stadt, usw.)
  • Gibt es wei­te­re Kri­te­ri­en, die dir wich­tig sind, zum Bei­spiel ein Bad mit Ta­ges­licht, ei­ne Erd­ge­schoss­woh­nung, schnel­les In­ter­net…?

Le­ge ei­ne Check­lis­te an

Gruppe junger Menschen mit SmartphoneSteht die Check­lis­te, kannst du dich auf Woh­nungs­su­che be­ge­ben. Im In­ter­net gibt es vie­le Im­mo­bi­li­en­por­ta­le, in de­nen Wohn­raum an­ge­bo­ten wird. Wenn du fün­dig ge­wor­den bist, schi­cke dem An­bie­ter ein Schrei­ben oder ei­ne E-Mail und bit­ten ihn freund­lich um ei­nen Be­sich­ti­gungs­ter­min. Ein An­ruf ist auch mög­lich, meis­tens un­kom­pli­zier­ter und wich­ti­ge Fra­gen kannst du ge­ge­be­nen­falls auch schon te­le­fo­nisch klä­ren.

Bei An­ru­fen soll­test du dei­ne Ruf­num­mer bes­ser nicht un­ter­drü­cken, denn das kann un­se­ri­ös wir­ken. Er­zäh­le ein biss­chen von dir, wel­chen Stu­di­en­gang du ab­sol­vie­ren wirst, wel­che Hob­bys du hast und dass du über ge­re­gel­te Ein­künf­te ver­fügst (z. B. durch Bafög für Stu­den­ten). Sei auf­ge­schlos­sen und trans­pa­rent – das sorgt von An­fang an für ein gu­tes Ver­hält­nis zum Ver­mie­ter.

In­ter­es­sierst du dich für meh­re­re In­se­ra­te, ver­su­che mög­li­che Be­sich­ti­gungs­ter­mi­ne auf ei­nen Tag zu le­gen. Ge­ra­de wenn die po­ten­zi­ell neue Blei­be weit ent­fernt vom ak­tu­el­len Hei­mat­ort liegt, ist es kaum mög­lich, sich vie­le Woh­nun­gen an­schau­en zu kön­nen. Du kannst aber auch über den Zeit­raum der Woh­nungs­su­che ein Zim­mer mie­ten oder meh­re­re Ta­ge in ei­ner Ju­gend­her­ber­ge oder ei­nem Hos­tel woh­nen.

Die­se Do­ku­men­te be­nö­tigst du

Hast du ei­nen Be­sich­ti­gungs­ter­min oder ein WG-Cas­ting er­gat­tert (Glück­wunsch!), ver­giss nicht, al­le not­wen­di­gen Do­ku­men­te mit­zu­neh­men. Es macht kei­nen gu­ten Ein­druck, wenn wich­ti­ge Un­ter­la­gen feh­len oder noch nach­ge­reicht wer­den müs­sen. Un­ter Um­stän­den er­hältst du des­halb so­gar ei­ne Ab­sa­ge.

Da die Kon­kur­renz um Miet­raum oft groß ist, soll­te der ers­te Ein­druck stim­men. Und vor al­len Din­gen – sei schnell, wenn du ein in­ter­es­san­tes An­ge­bot ge­se­hen hast. Ach­te auch dar­auf, dass dein An­sprech­part­ner dei­ne kor­rek­ten Kon­takt­da­ten in­klu­si­ve E-Mail-Adres­se und Te­le­fon­num­mer, un­ter der du bes­ten­falls im­mer er­reich­bar bist, vor­lie­gen hat.

Die wich­tigs­ten Un­ter­la­gen sind:

  • Per­so­nal­aus­weis, al­ter­na­tiv Rei­se­pass
  • Ein­kom­mens­nach­weis der ver­gan­ge­nen drei Mo­na­te oder Miet­bürg­schaft
  • Mie­ter­selbst­aus­kunft
  • Schu­fa-Aus­kunft
  • Kon­takt­da­ten
  • Ge­ge­be­nen­falls Be­stä­ti­gung des der­zei­ti­gen Ver­mie­ters, dass du kei­ne Miet­schul­den ge­macht ha­ben

Be­sich­ti­gung: Pünkt­lich, vor­be­rei­tet, freund­lich und ge­pflegt

Beim Be­sich­ti­gungs­ter­min soll­test du ei­ne gan­ze Men­ge be­ach­ten. Auf je­den Fall soll­test du auch hier von vor­ne­her­ein auf­ge­schlos­sen, höf­lich und un­be­dingt pünkt­lich sein. Auch auf ein ge­pfleg­tes, an­ge­mes­se­nes Er­schei­nungs­bild soll­test du ach­ten. Es ist auch nicht rat­sam, zu die­sem Zeit­punkt be­reits nach Re­pa­ra­tu­ren zu fra­gen und über­haupt zu kri­tisch auf­zu­tre­ten.

Wenn mög­lich soll­test du bei ei­ner Woh­nungs­be­sich­ti­gung im­mer ei­ne zwei­te Per­son mit­neh­men. Ihr fal­len viel­leicht Din­ge auf, die du nicht di­rekt wahr­nimmst, wie ei­ne schlech­te Iso­lie­rung der Fens­ter, die hö­he­re Heiz­kos­ten be­deu­ten kann. Wenn du darfst, soll­test du die Räu­me auch fo­to­gra­fie­ren und die Fo­tos spä­ter in Ru­he an­se­hen. Das hilft da­bei, zu ent­schei­den, ob die Woh­nung oder das WG-Zim­mer wirk­lich dei­nen Kri­te­ri­en ent­spricht.

Un­ser Tipp:
Be­sich­ti­ge die Woh­nung un­be­dingt bei Ta­ges­licht und am bes­ten ge­gen frü­hen Abend, wenn vie­le Be­woh­ner be­reits zu Hau­se sind. So er­hältst du ei­nen Ein­druck über die Lärm­ver­hält­nis­se. Er­kun­di­ge dich ge­ge­be­nen­falls auch, ob es Park­plät­ze in der Nä­he gibt.

Miet­ver­trag ge­nau durch­le­sen

Ge­schafft! Du hast die Woh­nung oder das WG-Zim­mer er­gat­tert. Jetzt musst du noch den Miet­ver­trag un­ter­schrei­ben, da­mit al­les in tro­cke­nen Tü­chern ist. Da­bei gilt es vie­les zu be­ach­ten. Wenn du die Woh­nung nicht al­lei­ne be­wohnst, son­dern mit meh­re­ren Per­so­nen, gibt es ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten der Ver­trags­ge­stal­tung:

  • Ent­we­der gibt es ei­nen Haupt­mie­ter, der dann mit ei­nem oder meh­re­ren Un­ter­mie­tern Un­ter­miet­ver­trä­ge schließt. Der Haupt­mie­ter ist gleich­zei­tig Mie­ter und Ver­mie­ter. Nach­teil: Der Haupt­mie­ter haf­tet ge­gen­über dem Woh­nungs­ver­mie­ter für Schä­den, die durch Un­ter­mie­ter ver­ur­sacht wor­den sind. Glei­ches gilt, wenn der Un­ter­mie­ter die Mie­te nicht zahlt: Dann muss der Haupt­mie­ter ein­sprin­gen und sich das Geld vom Mit­be­woh­ner wie­der­ho­len.
  • Zwei­te Mög­lich­keit: Al­le Mie­ter sind Haupt­mie­ter. In die­sem Fall kann die Woh­nung je­doch nur dann ge­kün­digt wer­den, wenn al­le Mie­ter ei­ne Kün­di­gung aus­spre­chen.
  • Ei­ne an­de­re Va­ri­an­te beim Ab­schluss ei­nes Miet­ver­trags ist je­ne, dass je­der Be­woh­ner ei­nen ei­ge­nen Miet­ver­trag mit dem Ver­mie­ter ab­schließt. Hier ge­hen Schä­den oder Pflicht­ver­let­zun­gen nicht zu Las­ten al­ler Mie­ter.

Klau­seln im Miet­ver­trag prü­fen

Schlüsselübergabe mit unterschriebenen VertragAch­te au­ßer­dem auch auf Klein­re­pa­ra­tur- und Schön­heits­re­pa­ra­tur­klau­seln. Laut Miet­recht ist der Mie­ter da­zu im Grun­de nicht ver­pflich­tet, son­dern der Ver­mie­ter als Be­sit­zer der Im­mo­bi­lie. Durch ent­spre­chen­de Klau­seln im Miet­ver­trag kann die­se Pflicht al­ler­dings rechts­wirk­sam an die Mie­ter über­ge­ben wer­den.

Al­ler­dings sind nicht al­le Klau­seln zu­läs­sig. Des­halb wen­de dich im Zwei­fel an ei­nen Mie­ter­schutz­bund, be­vor du den Ver­trag un­ter­schreibst. Laut Recht­spre­chung kann der Mie­ter bei Aus­zug zum Bei­spiel nicht zu Re­no­vie­rungs­ar­bei­ten her­an­ge­zo­gen wer­den, wenn er ei­ne nicht-re­no­vier­te Woh­nung be­zieht. Auch für fäl­li­ge Schön­heits­re­pa­ra­tu­ren gibt es Fris­ten. Das be­deu­tet, dass ein Ver­mie­ter nicht ver­lan­gen kann, dass du die Räu­me un­ver­hält­nis­mä­ßig oft re­no­vie­ren müs­sen. Auch hier soll­test du dich vor­her ge­nau bei Fach­leu­ten er­kun­di­gen. Glei­ches gilt für Klau­seln, nach de­nen Re­pa­ra­tu­ren nur von Fach­per­so­nal aus­ge­führt wer­den dür­fen.

Was du bei der Über­ga­be be­ach­ten musst

Wenn du die Woh­nungs­über­ga­be di­rekt mit dem Vor­mie­ter durch­führst, be­ste­he un­be­dingt auf ein Über­ga­be­pro­to­koll. Dar­in hältst du al­le be­reits vor­han­de­nen Män­gel fest. Op­ti­mal ist es, wenn du auch Fo­tos von den Schä­den hin­zu­fügst. Schä­den kön­nen zum Bei­spiel Krat­zer und Fle­cken auf den Holz­die­len sein oder auch Lö­cher, die der Vor­mie­ter in die Wand ge­bohrt hat.

Wenn die Woh­nung mit ei­ner Ein­bau­kü­che über­ge­ben wird, die zum Haus­stand ge­hört, prü­fe auch die­se ganz ge­nau, in­klu­si­ve der Elek­tro­ge­rä­te. So schützt du dich da­vor, dass der Ver­mie­ter beim spä­te­ren Aus­zug un­ge­recht­fer­tig­te For­de­run­gen ge­gen dich stellt. Den­ke auch dar­an, die Stän­de von Strom-, Gas- und Was­ser­zäh­lern zu no­tie­ren.

Wor­an du au­ßer­dem den­ken soll­test

Be­son­ders wich­tig ist na­tür­lich, dass du dich recht­zei­tig um die Ver­sor­gungs­ver­trä­ge küm­mern, da­mit du beim Ein­zug nicht oh­ne Was­ser, Strom oder Gas da­ste­hen. Glei­ches gilt für TV, Fest­netz und das In­ter­net.

Auch um ei­ne Grund­aus­stat­tung für dei­ne ers­te ei­ge­ne Woh­nung wie Mo­bi­li­ar für dein neu­es Wohn-, Schlaf­zim­mer und Co. soll­test du dich vor dem Um­zug küm­mern.

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Ver­öf­fent­licht am: 23.08.2021
Über­ar­bei­tet am: 23.08.2021
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